die katze im sack

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"Katzen würden Whiskas kaufen." Die Kreativen können manchmal die Dinge so zielgerade beim Namen nennen, dass aus dem wirtschaftlichen Faktor soziale Treffsicherheit wird. So auch in diesem Werbeslogan, einem der schönsten der letzten Jahre überhaupt! Der Spruch ist vielschichtig und enthält neben der hörbar paternalistischen sogar eine partizipatorische Komponente. Ich will das erklären.

Wir wissen, dass Katzen vorerst nicht einkaufen gehen. Wir Wienerinnen und Wiener, vielleicht das tierliebste Volk unter der gesamten Erdbevölkerung, wollen aber das Beste für unsere kleinen pelzigen LebensbegleiterInnen. Folgerichtig sollten wir ihnen für ihr leibliches und womöglich psychisches Wohl just jene Nahrung besorgen, die auch sie selbst aus dem Supermarktregal in das Wagerl befördern würden – wenn nur die zivilisatorische Kardinaltugend der Einkaufsfähigkeit bei ihnen ausgeprägt wäre. Ist sie aber nicht. Daher – das will der Werbespruch suggerieren – haben sich wahre KatzenexpertInnen (Stubenhocker und Laborsitzerinnen, die sogar in ihrer Freizeit nichts anderes als das Musical "Cats" zu Gemüte führen) den Kopf darüber zerbrochen, was Katzen kaufen würden, wenn sie könnten. Und sie haben sich auf die Marke geeinigt, für die hier geworben wird: "Katzen würden – Konjunktiv lebenswichtig! – Whiskas kaufen." Und nicht die Katzen oder eine Katze oder jene Rasse von Katzen, nein: Katzen würden …

Kauft nicht irgendein Katzenfutter, schärft uns die Werbung ein, sondern diese besondere Marke! Denn die anderen Marken dienen nur der Verfütterung, der temporären biologischen Befriedigung eines Primärbedürfnisses; aber ihnen allen fehlt der geistige Aspekt, der Kultur mit Natur in Einklang setzt und dem somatischen triebhaften Hunger eine psychische Humanität verleiht. Durch den Konjunktiv. Das ist anwaltschaftlicher Paternalismus, der in der Vermenschlichung des Animalischen gipfelt. Quasi Menschenpark.

Aber zugleich führt der Werbeslogan ein partizipatorisches Element in das Denken der tierlieben Einkaufsfähigen ein: Handelt nicht nach dem eigenen Geschmacke, sagt er, gebt euren Lieblingen beispielsweise nicht Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat zum Fressen, nur weil es euer Leibgericht ist. Nein, fragt eure Katze – in dem Fall die Labor- und StubenexpertInnen als Katzen-Thinktank –, was sie essen will! Die Katze als mitspracheberechtigte Partnerin: gelebte kulinarische Teilnahme.

Natürlich fragt es sich, wie es in den anderen Lebensbereichen der Katze aussieht, ganz zu schweigen von der philosophischen Frage nach dem Sinn des Lebens selbst. Fast alle Katzenherrln und -frauerln (freilich auch "Wer will mich?"-Süchtige) würden meinen, der Sinn eines Katzenlebens bestünde darin, sich als Haustier nützlich zu machen, möglichst schnuckelig zu murren und gurren, in den ersten Lebensjahren putzig, mit zunehmendem Alter raubkatzlartig dreinzuschauen, vor dem Kamin oder dem Heizkörper liegend Wärme zu reflektieren – und brav Whiskas zu fressen. Das soll der Sinn des Lebens für die häuslichen Vierpfoter sein. Aber sind wir uns sicher, daß die Katzen diese fade Existenz als Whiskas-Fresserinnen ohne Widerrede hinnehmen? Würden Katzen – Konjunktiv! – nicht etwas anderes tun, wenn sie könnten? Warum entwickeln die Labortanten und -onkel nicht eine Methode, um in Erfahrung zu bringen, ob Katzen beispielsweise unternehmerische Ambitionen hätten? Ob sie etwa neben den Einkaufswünschen andere kulturelle Bedürfnisse verspürten? Vielleicht würden Katzen gerne ins Theater gehen, philharmonische Konzerte hören oder Katzen-Raves veranstalten. Katzen würden Whisky saufen, wer weiß! Und was ist, wenn man sie mit Hilfe der kätzerischen Umfrage-Methode befragte, welche Partei sie wählen würden?

Wählen … Jetzt erst fällt mir ein, worüber ich eigentlich schreiben wollte. Die kommenden Wiener Wahlen und die Gruppe der Nicht-Wahlberechtigten, weil AusländerInnen: Das war das Thema, worüber ich schreiben sollte. Im Konjunktiv. Furchtbar entglitten!

Doch wie gesagt, der Whiskas schimpft zumindest nicht über Katzen, im Gegenteil, er macht sich sogar Sorgen um deren eigene Wahl. Vermenschlichung des Tieres, ja, aber hieß es umgekehrt nicht schon einmal, der Mensch sei ein politisches Tier? Fragen über Fragen. Alles für die Katz'?

Hakan Gürses

Chefredakteur der "Stimme von und für Minderheiten"