sreten colic

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Über Möglichkeiten, Regeln und Orte ohne Haß


Wie kam das, von einem Fluglotsen zum Drehbuchautor? Beschreibe deinen Werdegang.
Colic: Gut, zuerst war ich Fluglotse, dann war ich Flüchtlingshelfer, dann war ich Regieassistent bei der Elisabeth Spira in den “Alltagsgeschichten”, dann habe ich Regie für irgendwelche Werbefilmchen und Gebrauchs-filme gemacht. Auch für Lehrfilme, und dann hat mich jemand gefragt, ob ich ein Drehbuch schreiben kann und ich habe gesagt, “ja ich kann”. Dann habe ich Drehbücher geschrieben und inzwischen waren sie in Cannes und in Las Vegas auf Fernsehmessen. Das ist mein Werdegang.
Gehörst du zur zweiten Generation oder denkst du das du dich anders definieren wollen würdest?
Colic: Ich bin einer von den Mitgeschleiften, weil ich hier nicht geboren bin und so gesehen bin ich dann 2.Generation.
Denkst du, dass du einen Nachteil gehabt hast in deinen bisherigen Berufen, vor allem in der Filmbranche, als Ausländer?
Colic: Na, der Nachteil liegt ja nicht daran, dass man Ausländer ist oder nicht. Es gibt ja erfolgreiche Ausländer in den Medien in Österreich, z.B. die Geschwister Roscic, Dodo und Bogdan. Das ist kein Nachteil Ausländer zu sein. In Österreich ist es ein spezieller Nachteil in Österreich zu sein, weil Österreichs Medienstruktur total verkrustet ist.
Empfindest du es auch so, dass es in den wichtigen gesellschaftlichen Positionen zu wenig Menschen aus der 2. Generation gibt?
Colic: Wenn man Ausländer ist, ist man in einer Minderheitsituation. Also kann der Anteil nicht allzu gross sein. Wenn es aber irgendeinen Anteil gibt, der bemerkenswert ist, dann ist es
sicher im Kunst-, Medien- und Kulturbereich, weil dort Leute tätig sind, die über den Tellerrand hinausschauen können. Zum Beispiel die Polizei ist eine sehr konservative Struktur und da ist es kein Wunder, dass dort kaum Ausländer zu finden sind. Das Problem liegt an der Kleinheit, an der provinziellen Einstellung Österreichs.
Wärest du für eine Quotenregelung im konservativen Bereich?
Colic: Es sind ja immer die konservativen Strukturen, die Regelungen benützen, weil sie glauben, dass Dinge geregelt gehören. Ich bin von meiner Grundstruktur her nicht konservativ und glaube daher nicht an erzwungene Regelmechanismen. Meine politische Heimat ist die Anarchie und die kennt keine Regelungen von irgendetwas. Daher kann ich nur dagegen sein und kann eigentlich nichts davon halten, weil ich das einfach doof finde, denn wenn die Gesellschaft nicht alleine dazu bereit ist, dass sie sich das so regelt, wie die Kapitalisten es wünschen: Nämlich nach der Effizienz und nicht nach Rasse, Religion etc. Wenn das funktionieren würde, wäre es vielleicht noch das Beste. Die Welt ist voller Vorurteile, und konservative Wertsysteme neigen dazu, Vorurteile zu konservieren und weiter zu tradieren, an die nächsten Generationen. Das ist einfach eine Problematik, die immer da sein wird, so lange es Konser-vatismus gibt.
Was ist deine früheste Kindheitserrinnerung, in der dir bewusst wurde, dass es einen Unterschied zwischen Ausländern und Inländern gibt?
Colic: Das ist eine gute Frage, weil es darauf eine konkrete Antwort gibt: der Augenblick, als ich am Südbahnhof aus dem Zug gestiegen bin. Ich war 9 Jahre alt und das erste was ich da sah war ein Plakat, das sogenannte “Kolaric-Plakat”. Das war der nette und liebevolle Versuch der Sozialdemokratie in den 70er Jahren, dem aufkeimenden Fremdenhass Herr zu werden.
Was ist deine Message an die 2. Generation?
Colic: Lasst euch ganz einfach dort nieder, wo es keinen Hass gibt. Wenn ihr diesen Ort finden könnt, geht hin. Es ist vollkommen sinnlos, Leute zu erziehen, die 2000 Jahre lang an den Rassismus geglaubt haben. Man kann es versuchen, aber ich persönlich für mich, tue das nicht mehr. Das, wozu ich auf der Welt bin, ist: Ich möchte Spaß haben auf diesem Planeten und alle Rassisten auf dieser Welt können mich kreuzweise. Wenn es geht, dann meide ich sie, wenn dies nicht klappt, bekämpfe ich sie mit den brutalsten Mitteln, die mir zur Verfügung stehen.