sie sehen darüber hinweg!

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Dr. Ovuike über den passiven und aktiven Rassismus in Österreich

Wann kamen sie nach Österreich und wie lange haben sie studiert, um Mediziner zu werden?
Dr. Ovuike: Ich kam 1973 nach Österreich. Ich studierte Medizin von 1974 bis 1982. Den ersten Teil meines Studiums machte ich in Graz, den zweiten und dritten Teil in Wien. Mein Studium dauerte ungefähr 8 Jahre.
Gab es irgendeine Art von Diskriminierung, die sie gespürt haben, während sie studiert haben?
Dr. Ovuike: Es gab nur wenige Schwarze in Österreich und diejenigen, die nach Österreich kamen, 99% davon, mit der Intention zu studieren und nach Beendigung zurück nach Afrika zu gehen. Es gab Diskriminierung, aber minimal. Jetzt ist die Diskriminierung sehr stark, weil viele Afrikaner und Ausländer auf den Arbeitsmarkt drängen. Sie wollen mit den Österreichern konkurrieren. Ich würde sagen, es war früher ein bißchen leichter als jetzt.
Spüren sie heute irgendeine Form von Diskriminierung oder Rassismus?
Dr. Ovuike: Der Prozentsatz an Rassisten in Österreich ist nicht hoch und die wenigen Prozent, die es gibt, beeinflußen den Rest. Ich versuche, solche Leute nicht zu beachten, sie kreieren ein schlechtes Image für die restlichen Österreicher, die nicht rassistisch sind. Das einzig Negative in Österreich ist, dass die Österreicher, die nicht rassistisch sind, nichts dagegen tun, wenn sie sehen, dass Ausländer diskriminiert werden. Sie sehen darüber hinweg. Ich bin jetzt seit 28 Jahren in Österreich und ich weiß, wie ich mit Diskriminierung und Rassismus geistig umgehen muss, wenn ich mit dieser Situation konfrontiert bin. Persönlich versuche ich davon keine Notiz zu nehmen.
Fast jeder in Österreich glaubt, dass, wenn du schwarz bist, du automatisch ein Drogendealer bist. Wer ist daran schuld? Die Afrikaner, die mit Drogen handeln oder die Gesellschaft, die alle Afrikaner als Drogendealer kategorisiert.
Dr. Ovuike: Die Wahrheit ist, dass es Afrikaner gibt, die mit Drogen handeln in Wien. Sie beschädigen das Image der restlichen Afrikaner, die nichts mit Drogen zu tun haben. Ich weiß nichts über Drogenhandel, aber ich glaube, dass die Afrikaner, die mit Drogen handeln, nicht die großen Drogenhändler sind. Sie sind nur die Straßenhändler. Die richtigen Drogenbarone sind nicht einmal Schwarze. Die Gesellschaft muss dafür verurteilt werden, zu schnell über Afrikaner zu urteilen und die Afrikaner, die mit Drogen handeln, müssen genauso verurteilt werden.
Glauben sie, dass in Österreich und im gesamtem Europa, Schwarze die gleichen Möglichkeiten wie weiße Europäer in den Bereichen Schule, Jobs und guten Positionen in der Gesellschaft haben?
Dr. Ovuike: Wenn ich Österreich mit Ländern wie England und Frankreich vergleiche, würde ich Nein sagen. Es ist sehr hart für Afrikaner in Österreich, aber ich habe die Hoffnung nicht verloren. In der Zukunft können sich Dinge ändern. Es gibt viele Organisationen, die sehr hart in Österreich dafür arbeiten, österreichische Bürger davon zu überzeugen, dass eine multikulturelle Gesellschaft besser ist, als eine monokulturelle.
Abgesehen von ihrem Beruf als Mediziner sind sie auch Präsident der Igbo Cultural Association. Was ist die Aufgabe dieser Vereinigung?
Dr. Ovuike: Das Hauptziel von I.C.A. ist zu versuchen, Afrikaner zu unterstützen, die sich diskriminiert oder einsam fühlen. Die Vereinigung ist auch für Österreicher offen. Wenn Österreicher die Möglichkeit haben, frei mit Afrikanern in Kontakt zu treten und uns besser kennen lernen könnten, glaube ich, Diskriminierung, Vorurteile und Rassismus können verhindert werden.
Welchen Rat können sie den jungen Afrikanern in Österreich bezüglich des Umgehens mit Vorurteilen und Rassismus geben und wie können wir uns mehr darauf fokussieren, unsere Ziele zu erreichen?
Werde gebildet, gib immer dein Bestes in allem was du machst. Gib nie auf. Ignoriere alle Hindernisse, die auf deinem Weg auftauchen könnten bezüglich Vorurteilen und Rassismus. Eine Entschuldigung zu haben, dass man im Leben wegen Diskriminierung nicht weiterkommt, sollte nicht existieren. Das bedeutet, dass du besiegt worden bist. Verlier nie die Hoffnung und bleib immer konzentriert.
Dr. Ovuike Joe Ama, vielen Dank für ihre Zeit und ich wünsche das Beste für die Zukunft.
Ich danke ihnen, es war mir eine Freude.


Interview: Jude Sentongo Kafeero (17)