|
Zuallererst sollte man klären, was man mit wichtigen Positionen
meint. Bestimmt nicht die Billiglohnbranchen, wie Bauwesen und Gastgewerbe.
In welchen die Firmenbosse nach den billigen, arbeitswilligen und bedingungslosen
Frischfleisch lechzen. Nein, damit meinen wir und vor allem ich, berufliche
Positionen mit Prestige, Aufstieg und Geld. Auch ein Abwäscher
könnte zum Salatputzer befördert werden, aber wie wir alle
wissen, darf und kann das nicht das Wahre sein. Nicht dass solche Arbeiten
nicht zählen, da keine Arbeit unwürdig ist, doch bei vielen
Arbeiten verliert man seine Würde. Jeder hat das Recht auf das
Streben nach Glück heißt es, nur eben auf das Streben und
sonst nichts, sofern man sich die Lebenssituation vieler Menschen ansieht.
Denn wenn man gar nicht erst die Option hat, sich anders zu positionieren,
oder es zumindest sehr schwer hat, in Festungen einzudringen, wirft
das Fragen auf. Ich für meinen Teil möchte eines Tages von
der Arbeiterklasse, in der sich die meisten meiner Generation befinden,
den sozialen und finanziellen Aufstieg schaffen. Geld, Macht, Einfluss
und nochmals Geld haben. Doch auf dem Weg nach oben, dieser Gedanke
ist rein hypothetischer, hoffentlich bald praktischer Natur, scheint
mir, werde ich auf immer weniger meiner 2. Generationsgenossen treffen.
Und da stellt sich mir die Frage nach dem Warum? Warum gibt es so wenig
Leute, die es schaffen nach oben zu kommen? Liegt es an ihnen selbst,
an den gesellschaftlichen Strukturen, oder an der Erziehung, die ihre
Eltern ihnen mitgaben? Ich denke, dass diesbezüglich alles mit
allem zusammenhängt, da alles zueinanderkommt. Meine Mama hat immer
gesagt (Forrest Gump): Jasmina, versuche dein Bestes zu geben,
damit du diejenige bist, die den Ton angibt und sich nicht den Ton angeben
lässt. Doch manche anderen Mütter und Väter sagen:
Lerne Kochen und Putzen, damit du eine gute Hausfrau wirst. Du
brauchst keine Schulausbildung. Oftmals werden viele Jugendliche
gezwungen, früh zu heiraten (mit 18, 19) und möglichst irgendeinen
Hilfshacklerjob auszuüben, um Geld heimzubringen. Das ist zwar
nicht bei jedem der Fall, aber doch bei vielen. Denn wenn ich von manchen
gefragt werde, ob ich mich mit 20 schon wie eine alte Jungfer fühle,
da ich noch nicht verheiratet bin, frage ich mich, was da, und vor allem
wieviel in den Köpfen dieser Menschen falsch läuft. Sicherlich,
wenn Menschen aus Liebe einander in jungen Jahren das Ja-Wort geben,
ist das durchaus ok. Nur das ist nicht oft der Fall. Viele Jugendliche
versuchen nicht einmal sich gegen solche Bedingungen, die ihnen Tag
für Tag eingetrichtert werden, zu wehren. Denn sicher ist der vorgegebene
Weg bequemer, doch was da wirklich in #solch einem Alter auf sie zukommt,
ist wenigen bewußt. Wer davor von sozialem Aufstieg geträumt
hat, wird dann eines Besseren belehrt. Vielleicht ist die 1. Generation
zu sehr in ihrer Tradition verankert, um zu erkennen, dass sie hiermit
der 2. Generation einen schweren Start ins Leben mitgibt. Nun zum Start
ins Leben. Eine mehr oder minder große Hürde, aus welchem
Blickpunkt man das auch immer sehen mag, ist sicherlich der Nachname.
Je exotischer er klingt, desto niedriger die Jobchancen. Hat man es
trotz exotischem Namen geschafft in eine Bastille einzudringen, z.B.
die Post, wobei man zumindest EU-Staatsbürger sein muss, wird man
herzlich empfangen und gut behandelt, wie z.B. Ja, jetzt hama
a an Tschuschen da, in einer mehr brutaleren als milderen Tonart.
Tut gut, nicht? Zuviel Gutes nicht gut tut! Da braucht man eine Elefantenhaut,
um an der Streichel- und Schmeicheleinheit mancher Mitmenschen nicht
zu zerbrechen. Es ist besonders schwer im Vater Staat Fuß zu fassen.
Da hat man es bei der Mutter Wirtschaft ein wenig leichter. Doch Vater
Staat hindert Mutter Wirtschaft ab und an in ihren Ambitionen. Unsere
liebe Mutter verlangt Qualifikation, Belastbarkeit, Verzicht auf soziale
Absicherung und bedingungslose, gewerkschaftslose Arbeitskraft. Unser
herrschender Vater lässt sich von ihr unter Druck setzen und macht
es uns Kindern auch nicht leicht in seine Strukturen einzudringen. Noch
viel tragischer und theatralischer gestaltet sich das Ganze, wenn man
dazu auch noch weiblich ist. Da Mutter Wirtschaft es gar nicht gerne
hat, wenn man den Wunsch hegt selber Mutter zu werden. Erwähnt
sollte auch werden, dass selbst in der so weltoffenen Kunst-, Kultur-
und Musiklandschaft sich nur wenige behaupten können oder auch
wollen. Meines Erachtens liegt es daran, dass ein Großteil der
1. Generation zur Arbeiterklasse gehört und diese es nicht gerne
sehen, wenn ihr Töchter und Söhne Schauspieler oder Maler
werden wollen (wenn schon, dann Maler und Anstreicher). Solche Bestrebungen
werden im Keim erstickt und leider von vielen für immer verworfen.
Lösungsmöglichkeiten für jegliche Problematik des sich
Positionierens gibt es. Zum Beispiel sich von Scheuklappen zu lösen,
versuchen Qualifikationen zu erlangen, die Widerstandsfähigkeit
eines Grippevirus zu entwickeln, den Glauben an sich selbst und zu erkennen,
dass es unerlässlich ist, eine fundierte Ausbildung zu haben. In
diesem Sinne, positioniert euch in euren Bereichen so, wie es würdig
und recht ist.
Jasmina
Marinkovic (16)
|