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Als ich zehn Jahre
alt war, wollte ich eine große Schauspielerin werden und viele
traumhafte Stücke vor vielen Zuschauern spielen. Nach ein paar
Jahren wollte ich als Darstellerin im Kino berühmt werden und einen
Oscar gewinnen. Als ich älter wurde, haben sich meine Pläne,
Ziele und Träume geändert. Ich war ein erwachsenes Mädchen,
das reif geworden war und anders als damals dachte. Eines wurde mir
klar: Wenn man etwas erreichen will, muß man sich bilden. Ich
hatte damals viele verschiedene Träume, die einzige Gemeinsamkeit
meiner Träume war "die Ausbildung".
Ich bin in der Türkei geboren und aufgewachsen und bin dort in
die Schule gegangen. Mein größter Wunsch war es, zur Uni
zu gehen, denn ich wußte, dass ich ohne Uniabschluß gar
nichts anfangen konnte. In der Türkei ist es sehr schwierig, die
Berechtigung für die Uni zu bekommen. Man muß erst einen
Gymnasiums-abschluß haben, um zur Reifeprüfung anzutreten.
Nach meinem Gymnasiumabschluß bereitete ich mich neun Monate lang
auf diese Prüfung vor. Für die nur zwei Stunden dauernde Prüfung
mußte ich sehr hart lernen, weil darin mein gesamtes Wissen, das
ich mir in den letzten Jahren angeeignet hatte, beurteilt wurde. Nach
alldem war ich mit meinen Nerven am Ende. Ich fühlte mich wie ein
Pferd, das ein Rennen gewinnen sollte. Obwohl ich die Prüfung schaffte,
ärgerte ich mich über unser Universitätsystem, welches
es Millionen Menschen, die genauso gut sind, schwer macht an die Universität
zu gehen, um zu studieren. Trotz allem versuchen es Millionen von Schülern
jedes Jahr erneut, bis sie einen Platz an der Uni bekommen.
Neben dem vielen Geld, das die Familien ausgeben, damit ihre Kinder
studieren können, sollte man auch auf die investierte Zeit und
Mühe, die dahinter stecken, nicht vergessen.
Als ich mit dem Studium anfing, war ich auf neue Freunde und Kontakte
neugierig. Jetzt fing mein neues Studentenleben an. Es war nicht nur
Wissen, das ich mir aneignen wollte, ich wollte selbstständig und
frei sein, auf meinen eigenen Beinen stehen und selbst Entscheidungen
treffen können.
Die Übersiedlung nach Österreich hat mein Leben ein zweites
Mal verändert. Das war ein großer Umbruch für mich.
Meine Uni, meine Freunde, meine Kultur und meine Sprache mußte
ich aufgeben, weil ich hier weiter studieren wollte. Obwohl ich von
vorne beginnen mußte, bin ich trotzdem glücklich, weil ich
hier durch die Wahl der richtigen Studienrichtung, meinen Traumberuf
erreichen kann. Ich bin jetzt auf der Uni Wien und studiere Publizistik-
und Kommunikationswissenschaft. Natürlich war es anfangs nicht
leicht, weil ich Deutsch lernen mußte und alles für mich
neu war. Mittlerweile habe ich es zum Teil hinter mir und fühle
mich nicht mehr so fremd. Ich habe viele Leute kennengelernt, auch Jugendliche,
die hier geboren sind. Was mich hier traurig macht, ist dass sie kaum
Uniausbildungen machen. Die meisten gehen in Berufschulen, um auf dem
schnellsten Wege ins Arbeitsleben einzusteigen. Irgendwie sieht es so
aus, dass wir immer noch als einfache Arbeiterklasse gelten und es zumeist
Österreicher sind, die bessere Jobs bzw. Arbeitsbedingungen haben,
was ich sehr schade finde. Ich sehe, wie die Jugendlichen ziellos herumrennen
und nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Wenn sie
sich endlich mal dessen bewußt sein könnten, welche Möglichkeiten
sie hier haben, um sich zu entwickeln......
Um sich bessere Positionen im Berufsleben zu schaffen, braucht man eine
gute Ausbildung. Deswegen denke ich mir, dass die Jugendlichen, die
hier leben und nicht mehr zurück wollen, weiter studieren sollten.
Es gibt sehr talentierte und intelligente Jugendliche, die sehr wohl
studieren und Karriere machen könnten, um in gut bezahlten Jobs
arbeiten zu können. Auch wir könnten genauso Ärzte, Anwälte,
Lehrer, etc. werden, wenn wir daran glauben und darum kämpfen würden.
Um unsere Lebensstandards zu verbessern, sollten wir alle Möglichkeiten
nutzen. Eine Universitätsausbildung bringt uns nicht nur Wissen,
sondern auch neue Lebensper-spektiven.
Der neu dazugewonnene Freundeskreis und das Niveau, das wir dadurch
erreichen, würde uns vielleicht unser Leben lang zur Seite stehen
und so könnten wir eine bessere Zukunft für unsere Kinder
aufbauen.
Ich möchte nicht behaupten, dass Bildung alles ist, doch bin ich
mir sicher, dass sie für einen neuen Anfang von großer Bedeutung
sein kann. Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen weiter studieren
und solche Positionen in diesem Land erreichen, die sie auch verdient
haben.
Ich versuchte mich und mein Heimatland als Beispiel darzustellen, und
ein Bild von meinen Vorstellungen über das "Leben" zu
geben. Meine Message an alle wäre:
"Nutzt die Chancen und bildet Euch!"
Öznur Aslan (21)
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