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Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Herzlich willkommen bei der letzten Ausgabe vor der Sommerpause. Es liegt ein sehr lehr- und abwechslungsreiches Arbeitsjahr hinter uns, in dem wir vor allem sehr viele realpolitische Erfahrungen machen konnten, die einerseits natürlich für uns viele Einflußmöglichkeiten aufzeigten, andererseits aber auch einen weiteren Desillusionierungs-schub hervorriefen. Ambivalenz rules!
Ebenfalls in diese Zeit fiel das einjährige Jubiläum dieser neuen, mittlerweile ja schon wieder alten, Regierung, und es erschreckt uns, mit welcher Gleichgültigkeit in der Öffentlichkeit beängstigende Entwicklungen hingenommen werden. Nicht nur juristische Experten bescheinigen spürbare Veränderungen im Justizsystem, wo unter dem Deckmantel des Schutzes für den Bürger, eben gerade dessen immer größer werdende Bevormundung und Entmündigung vollzogen wird. Natürlich alarmiert uns vor allem die zunehmende, restriktivere Gesetzeshandhabung bei Jugendlichen, die ebenfalls von Experten bestätigt wird, und die Veränderungen im Asylgesetz, die vor allem bezüglich der sicheren Drittstaatenregelung nichts Gutes verheißen. Es wird Aufgabe der Sozialarbeit sein, die Gesellschaft über die sozialen Folgewirkungen solcher Kriminalisierungsschübe aufzuklären, um vielleicht das Schlimmste noch verhindern zu können.
Aber nicht nur das. Der ohnehin schon klägliche Medienmarkt Österreichs monopolisiert sich weiterhin mit rasanter Geschwindigkeit, ohne dass man da von offizieller Seite eine Beunruhigung punkto Meinungsvielfalt spüren könnte. Deswegen wird auch unsere Arbeit in Zukunft noch wichtiger sein, alternative Medien abseits reiner Marktlogik aufrechtzuhalten und die Arbeit dahingehend noch zu intensivieren. Es muß auch hier bei Echo eine konzentrierte Nachdenkphase über den Sommer Einzug halten, in der wir unsere bisherige Tätigkeit einer kritischen Beurteilung unterziehen, und wieder einmal eine genauere Zielgruppendefinition darauf folgen lassen sollten. Der Verein Echo bezog vieles seiner Anziehungskraft aus der Kombination von gesellschaftspolitischer Bewegungsarbeit und klassischer Sozialarbeit, verstärkt durch die methodischen Säulen Medien- und Lobbyarbeit. Oft war das ein reizvolles, wendiges und anziehendes Konglomerat, manchmal aber auch ein bis zur Schmerzgrenze ausgereizter Spagat. Auf jeden Fall bedarf dieses System einer ständigen Nachjustierung, um die notwendige Aktualität und Authentizität beizubehalten. Das trifft natürlich besonders auf die Zeitung zu. Welche Zeitschrift wollen die Jugendlichen der 2. Generation machen, lesen und wie kann man die notwendige Verbindung zur intellektuellen, engagierten, kreativen “österreichischen” Szene offenhalten. Der Verein Echo hat seine Aufgabe immer auch darin gesehen, Korridore zur Gesellschaft zu ermöglichen und offenzuhalten, die normalerweise aus verschiedensten Ursachen für Jugendliche der 2. Generation nicht so leicht zu durchschreiten sind. Wir haben im Rahmen der WienerWahlPartie gesehen, wie weit wir den öffentlichen Diskurs mitgestalten können, allein daran abzulesen wie sich die öffentliche Debatte punkto konkreter politischer Rechte für Immigranten in der Zeit der Wiener Gemeinderatswahl verändert hat. Wir müssen aber jetzt einen Schritt weiter gehen. Die “offizielle” Politik weiß jetzt unsere Forderungen. Was sie daraus macht, ist ihre Sache und daran muß sie gemessen werden. Jetzt müssen wir verstärkt genau diese oben erwähnten Zugänge fordern. Davon handelt diese Ausgabe und davon handeln wir. Die Jugendlichen hier bei Echo haben sich Gedanken gemacht, warum sich die reale Situation Österreichs als Immigrationsland noch immer nicht in der Gesellschaft in angemessener Form widerspiegelt und dabei auch nicht mit Selbstkritik gespart. Die reine Opferrolle war noch nie die unsere, trotzdem müssen Misstände und Diskriminierungen mit größter Vehemenz aufgezeigt und deren Abschaffung eingefordert werden. Das ist unsere Aufgabe, sowie es die Aufgabe der Politik ist, darauf zu reagieren. Weitere Verzögerungstaktiken werden nicht mehr stillschweigend hingenommen, dafür ist der Prozess des sich selbst eine Stimme geben schon zu weit fortgeschritten. Erkennt man das nicht, werden wir uns immer weniger als Teil des Problems begreifen, der eine konstruktive Lösung in Form von Kooperationen und Verhandlungen anstrebt. Andere Länder, wo diese Hinhaltetaktiken versucht wurden, beweisen das. Wir hoffen auf jeden Fall, dass wir in dieser Ausgabe diese Fragestellung von vielen Seiten beleuchtet und interessante Anregungen für die weitere Diskussion geliefert haben.
Draussen scheint die Sonne und kündigt den kommenden Sommer an. Wir sehen uns wieder im Herbst, vielleicht in veränderter Form. Ihr werdet natürlich darüber informiert. Wie sagt die East Coast Rocker Crew, eine Breakdancegruppe hier im Echo, immer so schön: Kein Rückzug! Kein Aufgeben!
Diese Einstellung wird der Verein Echo auch in Zukunft beibehalten. Das bleibt für uns verpflichtend. Versprochen.
Genießt diesen Sommer und sammelt Energie, wir werden jedes Fünkchen im Herbst brauchen! Möge die Kraft mit Euch sein!

 

Thomas Tesar