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Vom (Fr.)15. 6. bis (Sa.)16.6. veranstaltete das WUK im Rahmen des Projektes
COMEDIA ein Symposium zum Thema Handlungsfeld. Migration in der VHS
Ottakring, welches sich hauptsächlich mit den Perspektiven für
die kunstvermittelnde Kulturarbeit in Österreich mit dem Schwerpunkt
darstellende Kunst auseinandersetzte. Zur Eröffnung des Symposiums
waren DSA Johannes Seitner, Geschäftsführer des Wiener Intergrationsfonds
sowie Herr Oswald Bazand, Landesgeschäfts-führer des Verbandes
Wiener Volksbildung, als Sprecher geladen. Dieser erzählte über
Bildungsmaßnamen zum Thema Intregration. Zwischen 1987 und 1995
wurde das Projekt Interkulturelles Lernen mit mehr als 6.000 Teilnehmern
erfolgreich durchgeführt. Als Leitsatz sagte Bazand: Integration
ist nur dann möglich, wenn die eigene kulurelle Identität
geschützt wird, ohne Entwurzelung und Identitätsverlust.
Bazant ist auch Mitglied des Vereines Offenes Lernen, welches 2.000
Mitglieder aus 17 verschiedenen Ländern hat und Schwerpunkte im
kulturellen Dialog setzt. Herr Seitner, der nächste Redner, sprach
in seiner Rede von der Wichtigkeit der Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft,
obwohl er sich selbst als Rezipient und nicht als Schaffender sieht.
Aber als Förderer von Kunst -und Kulturprojekten von MigrantInnenorganisatio-nen
wünsche er sich Töpfe, die nicht unbedingt als interkulturell
abgestempelt sind, damit MigrantInnen auch die Möglichkeit haben
ihre Kunst als internationale über alle Grenzen hinweg geltende
Kunst zu etablieren. Der WIF, so Seitner, als Institution, die keinen
Bereich des gesellschaftlichen Lebens auslässt und schon gar nicht
Kunst und Kultur vor dem Hintergrund der Migration sehe, aber Kunst
und Kultur nicht als eine Frage der Migration. Kunst kenne keinen Grenzen!
Einzige Frage, die gelte, sei die nach der Biographie des Künstlers,
aber nicht die nach seiner Herkunft. Der gesellschaftliche Stellenwert
dessen, was der Künstler schaffe, sei von größerer Wichtigkeit.
Seitner bedauerte die Abwesenheit des Kulturstadtrates, da gerade dieses
Thema in letzter Zeit sehr aktuell ist und eine Diskussion mit dem zuständigen
Stadtrat sicherlich nicht uninteressant wäre. Raus aus den
Nischen, denn Kunst und Kultur ist keine Frage von Nischen. Sehr
interessant fanden wir von ECHO diese Auffassung, da Ähnliches
in meinem Impulsreferat, welches ich eigeladen war abzuhalten, vorbereitet
hatte. Am nächsten Tag sollten workshops zu den Themen Das
geht mich an (Kunstvermittlungsarbeit mit Jugendlichen aus sozial
schwachen Gruppen, die bei ihnen ansetzt und Mut macht, sich zu positionieren
- Ziel war die Planung eines Projektes, das auf die im Laufe der Tagung
angesprochenen Problemhorizonte von Migration als Handlungsfeld Bezug
nimmt), Theater of Empowerment (theaterpädagogische
Arbeit zur Selbstwertstärkung) und Konzepte für peer-leader
education für MultiplikatorInnen stattfinden. Das Theater of Empowerment
sollte ein in Szene-Setzen der eigenen Erfahrungen und Erlebnisse
ermöglichen. Das spezifische Setting und die künstlerische
Verfremdung schaffen Raum für die Auseinandersetzung mit Themen,
die MigrantInnen beschäftigen, mit Bedingungen, die sie sich wünschen
oder mit Situationen, die ihnen aufstoßen. Der dritte
und letzte workshop beschäftigte sich damit, wie Informationen
und Haltungen, Kultur und Kunst verbreiten, das wiederum bedeutet auch
die Verantwortung für die Interessen der Urheber und der Nutzer
zu übernehmen. Dieser workshop reflektierte im Besonderen die Erfahrungen
des europäischen Theaterveranstalternetzwerkes COMEDIA.
Hier ein kurzer Auszug aus meinem Impulsreferat mit dem Thema Zwangsghetto:
MigrantInnenkunst, das die Ansicht ECHO´s zu diesem Thema
widerspiegeln soll:
Unsere kulturelle Arbeit war immer geprägt
von einer bewußten Nichtmultikulturalität, weil
sie für uns keine selbstverständliche Entwicklung ist, sondern
im politischen Diskurs als ein Konzept vorgestellt wird, das einen Zwang
in sich birgt und höchstens Toleranz gegenüber den Unterschieden
hervorruft. Doch wir sind für eine Gesellschaft, die Unterschiede
überflüssig macht.
Obwohl Menschen unterschiedlichster Herkunft bei ECHO sind, haben
wir uns immer dazu entschieden keine folkloristischen Ansätze zu
fördern. Auch wenn dies ein Bedürfnis jedes einzelnen sein
kann, im ECHO sollten künstlerische Ausdrucksformen gefunden werden,
die verbindend sind, damit diese Vielfalt an Menschen sich auch wohl
fühlt, und nicht zum authentisch, exotischem Menschenmaterial wird,
das den grauen Alltag der Wiener bunter werden läßt. Also
Multikulturalität ist nicht gerade unser Arbeitsansatz, aber viele
Anhänger hat dieses Modell ohnehin nicht. Oft wird die 2. Generation
über ihre Herkunftskultur definiert und über kulturalistische
Zuschreibungen. Diese stattfindende Vereinnahmung führt aber leider
zu Distanzierungen. Bei Interviews und Veranstaltungen erwartet man
, dass wir ein Club junger wütender Ghettokids sind. Gefragt wird
regelmäßig nach den Biographien der Personen und nicht nach
ihren künstlerischen Inhalten oder Forderungen. Wir sind leider
einer absoluten Identitätspolitik ausgeliefert, in der man versucht
aufzuzeigen, wie gut es ist, dass es uns MigrantInnen gibt, weil wir
bunt sind, weil wir neue Kulturen bringen usw. Aber gerade dadurch gehört
man nicht dazu, weil man durch diese positive Diskriminierung leider
Distanz schafft.
Ich möchte an dieser Stelle auch allgemein auf Wien und seinen
Ruf eine Kulturstadt zu sein eingehen, was ja einen wesentlichen Aspekt
der Attraktivität Wiens darstellt. Der kulturelle Subventionshaushalt
unterstützt große Kultureinrichtungen und Theaterhäuser
relativ hoch, während kleine Kulturschaffende zurückstecken
müssen. Das heißt, dass Wien sogar oft in Konkurrenz zu privaten
Initiativen tritt, anstatt Ermöglicher zu sein. Die Subventionen
für Parteifeste (Praterfest, Donausinselfest, Stadtfest, Ökofest,
Bierzeltfest) aus dem Kulturbudget sind genauso fraglich wie die Organisation
der Wiener Festwochen. Hier ist eine Umschichtung unumgänglich,
damit Wien auch Metropole der modernen Kunst werden kann.
Die Jugendlichen der 2. Generation wollen nicht als Multi-Kulti-Kinder
der Stadt wahrgenommen werden, sondern als junge Menschen mit Liebe
zur Kunst, mit Liebe zum Theater und auch als solche kritisiert oder
gelobt werden. Dies gilt aber auch für unsere erwachsenen Künstlerfreunde,
die auch schon immer die Nase voll hatten, als Migrationskünstler
zu gelten. Vielleicht mögen diejenigen mit weniger Talent sich
damit zufrieden geben, aber talentierte Menschen haben etwas Besseres
verdient als ein Zwangsghetto: Migrationskunst!
Ani Gülgün
Mayr
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