endstation baustelle

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Einfältig und ungebildet, unfähig den Aufbau eines deutschen Satzes zu begreifen. In möglichst gebückter Haltung, Befehle empfangen - so sieht für viele das Klischee von einem/r “Ausländer/in” aus. Der allseits bekannte Satz:” Ich nix hier, andere Baustelle.”, versinnbildlicht ein stereotypes Voruteil, das die erste Generation teilweise bekräftigt. Viele besetzen die für sie vorgesehenen schlecht bezahlten Positionen, denn “Ausländer” sind für Erledigung diverser “Drecksarbeiten” bekannt. Leider schaffen es nur wenige der Zweiten Generation durch eine gute Ausbildung zu glänzen, denn das Bildungssystem weist einige Mängel auf.
Im Schuljahr 1999/00 waren österreichweit von rund 689.906 Pflichtschülern 12,92 % Schüler mit nicht- deutscher Muttersprache. In Wien ist der Anteil wesentlich höher. Nahezu 25 % stammen aus Migrantenfamilien, mehrheitlich aus der Türkei und dem ehemaligen Jugos-lawien. In den Wiener Volksschulen beträgt der Anteil 34,2%. Dem wird auch Rechnung getragen, indem laufend Förder-unterricht und Begleitleh-rer zu Verfügung gestellt werden. Trotzdem gestaltet sich der Spracherwerb schwierig, weil die Ent-wicklung der Mutterspra-che mit dem Eintritt in die Schule abrupt abgebrochen wird. Denn Migranten-kinder müssen mittels der Zweitsprache (Deutsch) Lesen und Schreiben lernen. Das Ergebnis davon ist eine Art “Halbsprachigkeit”, die zu Einschränkungen und schlechteren Leistungen führt. Hinzu kommen ein niedriger sozialer Status und mangelnde Anerkennung. Wenige werden ermutigt eine höhere Schule zu besuchen.


“... positive Lernerfolge aufweisen und auf Grund ihres Leistungsverhaltens oftmals den Unterricht in Schulklassen entscheidend bereichern. Nur so ist es auch erklärbar, dass 41 % der Migrantenkinder nach der Volksschule in eine allgemein bildende höhere Schule wechseln.” (Stadtschulrat; Publikation: Wiener Kinder....unsere Kinder, Mai 2000)
Was als positiver Fortschritt angepriesen wird, erweist sich aber als Trugschluss. Wenn nämlich 41 % in eine allgemein bildende höhere Schule wechseln, so werden logischerweise 59 % in die Hauptschule kommen oder einige vielleicht sogar in die Sonderschule. Wo bleibt da der Lernerfolg? Viele öffentliche Hauptschulen, besonders jene in Wien, sind nicht unbedingt als Karrieresprungbrett bekannt. Die Mischung aus niedrigem Leistungsniveau und sozialen Spannungen erweist sich für Schulabgänger als fatal.
Ein möglicher Lösungsweg wäre noch mehr zusätzlichen Deutschunterricht und Muttersprachenunterricht anzubieten. Derzeit erteilen an österreichischen Schulen nur 388 Lehrer Mutterspra-chenunterricht. Meiner Meinung nach sind es zu wenige. Nur 25 % der Pflicht-schülerInnen mit nicht-deutscher Erstsprache erhielten 1999/00 muttersprachlichen Unterricht, wobei Angehörige der österreichischen Volks-gruppen nicht einberechnet wurden.
Die Ergebnisse im Detail:
Sonderschule: 33,9 %
Volksschule: 31,4 %
Hauptschule: 23,3 %
Poly. techn. Schule: 14,0 %
AHS: 0,3 %
Die Zahlen sprechen für sich, dass in dieser Situation Handlungsbedarf besteht, würde sogar der größte Ignorant erkennen.
Aber in Zeiten wie diesen, wo es zu erheblichen Einsparungen im Bildungsbereich kommt, wird wohl die Umsetzung einer Sprachoffensive im Reich der Fantasie bleiben.
Quellenangabe: (Informationsblätter des Referats für interkulturelles Lernen, Stadtschulrat für Wien und statistisches Zentralamt)


Bojana Marinkovic (22)