einleitung

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Die letzten Tage hier in den Redaktionsstuben an der Gumpendorfer Straße, waren geprägt von Reflexionen über all die politischen Aktivitäten, an denen Echo mitbeteiligt war, die Echo begleitete und mitunterstützte, natürlich angelegt an die Messlatte “Wiener Gemeinderatswahlen”. Inwieweit beeinflussten die Aktionen den Ausgang dieser “Schlacht aller Schlachten”, die sich dann in ihrer heißesten Phase als laue Phrasendrescherei erwies, gepaart mit populistischen Antisemitismus-Ausfällen, die in Österreich nach wie vor für wenig Bestürzung sorgen, außer man versucht damit wahltaktisch vorzugehen. Das einfache Parteimitglied weiß genau, was die österreichische Hegemonialgesellschaft noch als Kavaliersdelikt durchgehen lässt, oder sogar als Motivation versteht. Es wird eng in der “neuen Mitte”, wenn man keine wirklichen Unterschiede in der praktischen Politik erkennen kann und Abgrenzung nur durch Diffamierung des Gegners hergestellt werden kann. Was aber auffällig war, war die starke Bezugnahme der Parteien auf konkrete Rechte von Immigranten ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Das Signal, das von ambitionierten Initiativen, wie der WWP gesendet wurde, wurde vor allem von Parteipolitikern verstanden und auf einmal wurde über Positonen und Zugeständnisse gesprochen, die vor einigen Monaten noch abgeschmettert wurden, weil man das ja den sogenannten “Gemeindebauwählern” nicht zumuten konnte. Zumindest im Wahlkampf war einiges möglich. Auf einmal war es gestattet ernsthaft über konkrete Rechte wie das Wahlrecht oder den Zugang zu Gemeindewohnungen zu diskutieren. Auf einmal wurde die Zustimmung fast Konsens, nur weil zum ersten Mal ein paar Immigranten selbstbewusst ihre Rechte einforderten, sich aktiv in den Wahlkampf als handelnde Subjekte einbrachten und damit auch die unglaubliche Menge potentieller Wähler, die jahrelang auf dem politischen Weg liegengelassen wurden, deutlich machten. Natürlich ist dieser Schwenk in der Integrationspolitik auch der großen Angst in Wien geschuldet gewesen, dass das allgemeine österreichische Wahlvolk sich, wie bundesweit schon bewiesen, doch mit Ressentiments, verstärktem Nationalbewusstsein und stark nach außen gekehrtem Neoliberalismus ködern lassen konnte, und da man die offensichtlichsten Vertreter dieser Richtungen im Heimstadion damit nicht schlagen kann, versuchte man eben eine andere Taktik im vermeintlich liberaleren Wien. Ging sogar auf, nur können wir hier nicht die blauäugige Sicht teilen, diese Wahl sei eine Absage an Antisemitismus und Rassismus gewesen. Wohl eher eine an Sozialabbau, sonst gar nichts. Tja, auf jeden Fall werden wir sehen, was aus all den Sprüchen und Versprechungen nach den Wahlen wird. Für uns war aber klar, die Schaffung von konkreten Rechten, die auch von uns in den letzten Monaten vehement gefordert wurde, hat Einzug gehalten in die hiesige Diskussion, wenn auch des Pudels Kern selten getroffen wurde, und der Diskurs darüber wieder einer gewissen Hinhaltetaktik weichen wird. Was aber für uns auf der Strecke blieb, waren die praktischen Lebensumstände, die ständig vom institutionalisierten Rassismus beeinflusst bleiben (was natürlich durch politische Rechte verbessert werden könnte). Was ist mit Einkommensunterschieden? Den schlechteren Lebensbedingungen? Diskrim-inierungen am Arbeitsmarkt? Der fatalen Wohnsituation? Woran liegt es, dass, obwohl Österreich eine lange Immigrationsgeschichte hat, noch immer so wenige ImmigrantInnen in prestigeträchtigen, machtvollen, kreativen oder finanzkräftigen Bereichen oder Position-en tätig sind. Das macht uns hier, bei Echo, stutzig und wir wollen die Ursachen erforschen, die einerseits sicher vielfältig und individuell zu suchen sind, andererseits auch mit einem gewissen System und nicht unbewusst implantiert wurden. Diesen Fragen sind die Jugendlichen von Echo in vielen verschiedenen Bereichen (Bildung, Kunst, Sport, Politik, Arbeitsmarkt,...) nachgegangen, haben kompetente Personen dazu interviewt oder ihre eigene Meinung dazu ausgearbeitet. Auf jeden Fall eine Frage, über die wir nachdenken müssen. Oder, können wir provokant formuliert sagen, dass die Integration eigentlich perfekt funktioniert hat, nämlich genau im Sinne der Dominaz der Mehrheit: “Ausländer” haben sich vorbildlich gefügt und die von der österreichischen Hegemonialgesellschaft vorgesehenen Plätze anstandslos eingenommen.
Echörterbuch:
Hegemonialgesellschaft: Gesellschaft in der eine Gruppe das Sagen hat. Die Gesellschaft, die die Vormachtstellung hat.