Bei
der Integrationsdebatte in Österreich gibt es zwei Modelle, die
sich im wesentlichen voneinander unterscheiden.
Ein Modell definiert sich als ein freiwilliges, gleichberechtigtes
und respektvolles Aufeinanderzugehen vom Gesamten zu den Teilen und
umgekehrt. Ein Eingliederungsprozess in der Gesellschaft, in der die
Beteiligten sich gleich bewegen, ohne ihre eigene Identität verlieren
zu müssen. Das nennen wir Integration. Ein Partnerschaftsmodell,
das Rechte und Pflichten gleichberechtigt teilt.
Freiwilligkeit ist ein Symbol für Überzeugung, Selbstbewusstsein
für eine gute Positionierung und Respekt für ein demokratisches
Zusammenleben in unterschiedlichen Kulturen.
Aber die Schwäche von diesem Modell ist, das es momentan nicht
so populär wie das andere ist.
Es benötigt langfristiges Interesse, Bekenntnis zur Gleichberechtigung
und eine Mehrheit.
Und es braucht von der Gesetzgebung bis zum Arbeitsmarkt, vom gemeinsamen
Humor bis zu politische Rechte, neue Ansätze und aktive Gestaltungen.
Aber zumindest ist das unser Wunschmodell.
Das andere ist ein Assimilationsmodell. Es ist sehr einfach und sein
Inhalt konzipiert sich durch populäre Mitteln.
Ein professioneller Demagoge und der Respekt ist hier ein Fremdwort.
Es ignoriert die Menschen und fährt über sie drüber.
Politische Vertreter dieses Modells haben zuletzt einen Vertrag vorgeschlagen,
der von "Ausländern oder "Gastarbeitern
eine Unterschrift verlangt, um ihre Integrationswilligkeit zu beweisen.
Nach diesem Vorschlag sind die MigrantInnen nicht Partner sondern
Gegner.
Wenn nach jahrelangem Aufenthalt der Vertrag nicht unterzeichnet wird,
dann sind sie weg vom Fenster.
In diesem Vertrag werden nicht die beidseitigen Rechte und Pflichten
erwähnt, wie zum Beispiel das Wahlrecht oder Schutz vor Diskriminierungen,
sondern nur einseitige Privilegien der Mehrheit. Eine Partei des "echten
Österreichers", des kleinen Mannes sucht sich andere als
seine Untertanen.
Dieses Gedankengut versucht sogar sich in das Recht auf Familienleben
und Zusammenführung einzumischen und es so zu richten wie es
will.
Diese
Art der Politik spielt mit den Ängsten und Vorurteilen vor "dem
Fremden, und verkauft sich als ein Vertreter der legitimen Ängste.
Alle politischen Taten und Theorien von diesem Modell werden mit einem
Argument gemacht, das behauptet, sie seien nur Opfer der sogenannten
Fremden. Sie waren gestern so und sind es heute noch immer. Aber unter
dieser Legitimität ist er ein knallharter Täter, ein Spekulant
der Emotionen und seiner Opfersyndromen.
Aber es hat auch seine Schwäche. Es leidet unter einem Identitätskonflikt.
Diese Opfer-Täterrollen sind seine chronische politische Depression
geworden.
Alleine seine Diskussionsart über die sozialen Fragen ist präpotent
gegenüber allen die nicht seiner Meinung sind.
Wir nennen das ein "double Identity Problem. Es bedarf
einer grundsätzlichen und historischen Behandlung.
Viele ÖsterreicherInnen und MigrantInnen haben gegenüber
diesem chronisch ungesunden Modell eine tiefgreifende Skepsis. Sie
haben wenig Lust unter diesem Gedankengut ständig ignoriert zu
werden.
Das ist für uns kein Wunsch, sondern ein Zwangsmodell.
Es gibt genug Kräfte in diesem Land die den populistischen "Assimilierungs-
oder Rückkehr-Plänen widersprechen, aber es wird zwischen
den beiden Modellen eine langfristige und um so schmerzhaftere und
emotionalere Konfrontation geben. Ich befürchte sogar, dass Assimilationsmodelle
durch ihre tiefgreifenden historischen Wurzeln, mit ihren Methoden
die Zukunft Europas noch aktiver und dominanter gestalten werden.
Umgekehrt kann es nur dann sein, wenn die menschliche Vernunft mit
seiner Geschichte der Opfer-Täter-Rolle grundsätzlich auseinandersetzt
und mit einer offensiven Demokratiebildung seine Probleme und Bedürfnisse
kritisch neu definiert.

Was können
wir als sogenannte "Direktbetroffene machen, um den anderen
langfristig entgegenzuwirken?
Allgemein die MigrantInnen, aber speziell die zweite Generation sind
einer der wichtigsten Partner von jenen, die sich gegen diese Zwangsmittel
positionieren. In Zukunft wird die zweite Generation noch eine wichtigere
Rolle spielen, weil sie sich von den Ersten unterscheidet.
Zum Vergleich zur ersten, beherrscht sie die Sprache besser, hat bessere
Ressourcen und will nicht mehr die passive Opferrolle akzeptieren,
sondern im Gegenteil selbstbewusst in die Offensive gehen.
Sie ist de facto jetzt schon der aktive Repräsentant der MigrantInnen
geworden und es wird bald die Mehrheit der Minderheiten sein.
Die zweite Generation kann mit seinem Potenzial und Kreativität
ein idealer und gleichberechtigter Tanzpartner für einen demokratischen
Integrationsball sein.
Sie hat die spannende knallharte Dynamik dafür. Es fehlen ihnen
im Moment neue politische, sozio-kulturelle, akademische, künstlerische,
juristische, politische und wirtschaftliche Positionierungen und dementsprechende
Vorbilder, die es geschafft haben.
Die klassische Hilfsarbeiterrolle kann uns nicht mehr genügend
Absicherung sein. Wir brauchen bessere Ressourcen.
Bewusste höhere Qualifikationen können uns mehr garantieren
als zuvor.
Die erste Generation kann diese Rollen nicht mehr übernehmen,
weil sie sich anders positionieren. Ihre Vorbildrolle ist in wichtigeren
Zukunftsfragen eher passiv oder defensiv.
Die österreichische Gesellschaft, die sich als "einheimische
Mehrheit definiert, kann seine Vorbilder den sogenannten "nicht
einheimischen" auch nicht anbieten, weil sie nicht authentisch
sind.
Die einzige Möglichkeit ist aus eigener Betroffenheit kreative
und authentisch faßbare Vorbilder zu schaffen, mit denen sich
die Jugendlichen identifizieren und sich nach ihnen richten können.
Warum sollten Jugendliche der zweiten Generation nicht JournalistInnen
in aktuellen Medien oder im ORF sein?
Warum sollen nicht junge SchauspielerInnen mit Hauptrollen in die
Theater oder Kinos kommen. Warum nicht überall präsent sein
wie zum Beispiel in der Exekutive, Justiz, Politik oder Kunst, anstatt
klassischer Hilfsarbeiterprofile?
Stellen wir uns vor, im Jugend- oder Landesgerichtshof sitzen Rechtsanwälte,
Staatsanwälte oder Richter mit einer anderen Herkunft. Ein türkischer,
afrikanischer oder ex-jugoslawischer Jugendlicher als Polizist auf
dem Kommissariat. Nicht aufgrund der Hautfarben, sondern durch Talent
und Kompetenz.
Trotz aller Chancenungleichheiten und Diskriminierungen bei Aufstiegsmöglichkeiten
in vielen Bereichen ist unsere Botschaft: Das ist unser Integrationsmodell
anstatt einem Zwangsvertrag.
So eine engagierte, progressive Bildungsoffensive kann die allgemeine
Stimmung verbessern, stattdessen werden menschenverachtende Assimilationsmodelle
propagandiert.
Solche neue und bessere Positionierungen könnten sehr schmerzhafte
und langdauernde Prozesse verkürzen, indem sie zu Motivation
und Selbstwertgefühl der Jugendlichen für bessere Berufe
verhelfen können.
Als ECHO werden wir uns in Zukunft für diese Ziele mehr engagieren
und konkret kreative Projekte entwickeln. Je mehr positive Vorbilder
desto mehr höhere Positionierungen. Das soll in Zukunft unser
Motto sein.
Jeder Versuch im Bildungsbereich, Qualifizierung am Arbeitsmarkt,
Herausforderungen in neuen Berufen wie Medien, Kunst, Sport, Technologie,
Medizin und anderen Bereichen soll unterstützt werden. Jugendliche
sollen mehr "Role Models" als Motivationskorridore zum Erfolg
und mehr "Goal Models" für sozio-kulturelle, politische
Visionen aufbauen.
Wenn uns eines Tages ein unvermeidlicher Zwangsvertrag vorgeschoben
wird, dann wird es noch spannender, wenn auf der anderen Seite des
Verhandlungstisches viele Akademiker, Juristen, Künstler, Politiker,
Journalisten, Fachkräfte der zweiten Generation neben den Hilfsarbeitern
sitzen und für ein freiwilliges, selbstbewusstes und respektvolles
Modell mitverhandeln. Damit die Lebensqualität der demokratischen
Gesellschaft mit all seinen Partnern noch respektvoller wird.
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