bericht ____________________________________________________

echo´s art cocktail

im Metropol


Am 20. April 2001 fand im Metropol der erste Echo’s Art Cocktail in dieser Form statt. Am Nachfolger des Echo Abend wurden dort von Funda Sahan und Lakis Jordanopoulos, den Moderatoren, Projekte von Jugendlichen und befreundeten Künstlern präsentiert.
Anders als in den letzten Jahren, lag bei diesem “Art Cocktail” das Gewicht mehr bei den Auftritten befreundeter Künstler: Star des Abends, auf und auch hinter der Bühne, war Michael Niavarani, der Kabarettist und Schauspieler mit persischen Vater. Nicht nur durch seine Solo-Programme, sondern auch aus Film (z.B. “Wanted”) und Fernsehen (zur Zeit mit “Dolce Vita & Co.), kennt sicher jeder den Kabarett Simpl-Chef.
An diesem Abend sahen wir ihn nicht nur solo mit seinem Programm auf der Bühne, sondern er bereitete Echo auch die Ehre eines Gastauftritts bei dem echotischen Theaterprojekt Interlingua.
Seit etwa sechs Monaten treffen sich die Jugendlichen und haben sich nach einigen Starthürden auf die vier präsentierten Stücke geeinigt: Timur glänzte als U-Bahn-Aufsicht (dafür bekam er das wohl tollste Lob des Abends von Michael Niavarani, der den 13jährigen als seinen möglichen Simpl-Chef Nachfolger bezeichnete!), Nima als singende und vom Telefon entnervte Putzfrau, Elif als “Integrationslehrerin” (dieses Stück hat sich aus einem Stegreif-Versuch entwickelt und trotz seiner, manchen Zusehern zu harten und sarkastischen Stimmung, zeigte “Interlingua” damit sein kreatives und gesellschaftskritisches Potential) und der “Ensemble”-Auftritt mit “Kassa bitte!” (wie Timur’s U-Bahn-Ungustl eine Neuinterpretation von Beiträgen aus Simpl-Stücken).
Überhaupt war der Abend sehr kabarettistisch gelagert. Auch Ludwig Müller, der österreichische Sprachkünstler und Wortwitz-Jongleur im absolut knalligst roten Anzug, den ich je gesehen habe, und Yavuz Köroglu, unser zwecks Schauspiel-Karriere nach Stuttgart ausgewanderte Alt-Echot im ebenfalls knallig roten Hemd, bereiteten einigen Besuchern Bauchschmerzen und Kurzatmigkeit vor Lachen.
Zwischen all den Kabarett-Auftritten kam die Lesung Doron Rabinovicis ziemlich zu kurz. Die nachdenklich stimmenden Texte des Schriftstellers und Philosophen wurden vom, auf Lachen eingestellten, Publikum als willkommene Programmpause angesehen. Bei einer anderen Veranstaltung wäre das selbe Publikum vermutlich begeistert gewesen.
Die musikalischen Darbietungen kamen aber auch nicht zu kurz: der Abend startete mit Izgubljen Slucaj (zu deutsch etwa “hoffnungsloser Fall”) mit ihren bosnisch-kroatischen Rock und Pop-Liedern. Krystyna, Julia, Julia und Cagdas bewiesen als “Short Term” (engl. für “kurzfristig”) nicht nur Mut (die knappen zwei Wochen Probezeit erklären den Namen), sondern auch was für schöne Gesangsstimmen in ihnen stecken (auch wenn der Mut für die Zugabe noch nicht reichte).
Und natürlich die “Bunte Band”, der Abschluss des Programms: Musiker aus verschiedenen Kulturkreisen (Roma, Türkei, Österreich, ...), die mit ebenso verschiedenen Liedern den Abend in das “After-Clubbing” überführten.
Wenn ich zu sehr ins Schwärmen gerate: Verzeiht! Natürlich gab es auch Fehler und Probleme und nicht jedem gefiel jeder Programm-Punkt (kein Wunder bei der Vielfalt... oups, schon wieder!). Aber das beste an diesem Abend (außer der Torte von Carla!) waren die Besucherzahlen. Anfangs mussten wir sogar Leute bedauernd vertrösten, da das Metropol nicht für mehr als 700 (!) Menschen Platz bietet. Und auch am Ende war es noch voll, trotz der müden Kleinkinder und Großeltern, die nicht bis nach Mitternacht ausbleiben wollten.
Also scheint es nicht nur mir gefallen zu haben.
Wenn die Zusammenarbeit mit Prominenten immer so unkompliziert ist, wie mit Michael Niavarani, dann können wir uns sicher auf einen nächsten Art Cocktail freuen.
Ich hoffe jedenfalls, dass echOti.cc, das von ECHO immer selbstständiger werdende Veranstaltungsbüro, uns bald wieder so einen Abend bieten können wird.


Andrea Kottmel (21)