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echo:
Du bist jetzt in der Theatergruppe. Wieso interessiert dich Schauspielerei?
Erdogan: Ich hab zum Glück beim letzten Film meines Freundes
Muzaffer, der auch auf die Filmakademie gehen will, die Hauptrolle spielen
dürfen und es ist wirklich ein sehr guter Film geworden. Den Film
haben dann viele gesehen und gesagt, der Junge hat schauspielerisches
Talent, dem er nachgehen sollte. Der Anfang der Schauspielerei ist eigentlich
das Theater. Dann habe ich gehört, dass es im Echo eine Theatergruppe
gibt. Ich bin gekommen und habe mir das angeschaut und habe dann gesagt,
ich mache da mit.
echo: Siehst du da eine berufliche Perspektive für dich?
Erdogan: Ja, natürlich. Wie gesagt, man sollte immer seinen
eigenen Talenten nachgehen und ich werde weiterhin in der Theatergruppe
bleiben, aber mein Ziel ist es natürlich, in der Filmbranche zu
sein.
echo: Es ist auffallend, dass du aus einer Gegend kommst, wo
sehr viele Jugendliche sind und dass man sagen kann, dass der Muzi durch
seine filmischen Arbeiten und du, durch deine Schauspielerei, einen
anderen Weg gegangen sind als die restlichen Jugendlichen dort. Wieso
gerade ihr zwei und wieso nicht mehr als ihr zwei?
Erdogan: Sie sind nicht so aufgeschlossen. Die gehen nicht ihren
Talenten nach, vor allem nicht im Kunstbereich. Sie trauen sich nicht
so viel, weil sie schon früher, wie sie in die Lehre oder ins Berufsleben
eingestiegen sind, durch die Eltern behindert worden sind, weil die
Eltern mit der Idee hier hergekommen sind zu arbeiten, Geld zu verdienen
und etwas aufzubauen und genauso haben sie auch die Jugendlichen erzogen.
Viele sind sicher auch einfach scheu, etwas Künstlerisches zu machen,
weil sie Immigranten sind.
echo: Wie schaut das bei deinen Eltern aus? Denken Deine Eltern
nicht so? Wissen sie von deinen Plänen?
Erdogan: Da ich damals zur HTL gegangen bin, wußten sie
schon immer, dass ich was drauf habe und deshalb haben sie mir die Wege
offen gehalten. Aber sie wissen noch nichts darüber, dass ich im
künstlerischen Bereich aktiv bin. Ich werde es denen auch nicht
sagen, weil sie sagen werden, das geht nicht, mach das nicht, geh deinem
Beruf nach. Ich geh natürlich meinem Beruf nach, alles andere ist
nebenbei. Vielleicht ergibt sich ein anderer Beruf für mich. Es
gibt ja verschiedene Eltern. Welche, die etwas von Kunst verstehen.
Denen würde es nichts ausmachen, wenn der Sohn oder die Tochter
sagt, ich geh zum Theater, ich werde Schauspieler. Aber sehr viele von
der 1. Generation, die nach Österreich gekommen sind, haben davon
keine Ahnung und dann ist es natürlich schon schwierig, mit den
Eltern zu kooperieren.
echo: Du bist ja türkischer Herkunft und da habe ich gehört,
dass dich bei deinem Echo-Abend-Auftritt ein bißchen gestört
hat, dass du nicht als Türke erkannt wurdest, während du gespielt
hast. Ist dir das wichtig als Türke erkannt zu werden?
Erdogan: Natürlich ist es mir wichtig. Ich habe an dem Abend,
an dem wir den Auftritt gehabt haben, zweimal die Rolle gehabt, einen
Österreicher zu spielen. Ich schau nicht aus wie ein Türke,
ich möcht jetzt auch nicht sagen, dass ich wie ein Österreicher
ausschau. Es haben mir sogar Freunde gesagt, ich habe weniger Applaus
bekommen, weil die Leute nicht gewusst haben, dass ich Türke bin.
Ich habe nicht die Staatsbürgerschaft. Ich bin aber hier geboren
und hier aufgewachsen. Ich fühl mich nicht wie ein Ausländer,
aber im Endeffekt bin ich einer.
echo: Glaubst du, dass Deine Herkunft im Bereich Schauspielerei
ein Problem sein könnte oder sogar ein Vorteil?
Erdogan: Es ist sicher von Vorteil, dass ich beide Kulturen kenne,
beide Kulturen ins Kabarett einbeziehen kann und dadurch die Leute auch
die Kultur der Türken kennenlernen können. Ich finde, das
ist für die Leute was Neues und sicher von Vorteil.
echo: Willst du eine Vorbildrolle übernehmen für Jugendliche
der 2. Generation?
Erdogan: Ja, ich denke, die meisten Schauspieler sind ja Vorbilder von
den Leuten und wenn ich es wirklich schaffen sollte, Schauspieler zu
werden, könnte ich sicher ein Vorbild sein für die Freunde,
die ich hier habe. Auch für die türkischen Jugendlichen, die
hier leben, weil sehr wenige vertreten sind in dieser Branche.
echo: Wie wird es jetzt weitergehen bei Dir?
Erdogan: Weiter hier bei Echo, bei Interlingua arbeiten. Weitere
Auftritte zu machen, aber der nächste große Schritt wird
einfach der Schauspielunterricht sein.
echo: Glaubst du, dass einfach auch Verbindungen wie am Echo-Abend,
da hast du ja etablierte Schauspieler kennengelernt, auch Möglichkeiten
bringen für deine Zukunft?
Erdogan: Ja, natürlich. Ich hab auch mit dem Herrn Niavarani
in der Umkleidekabine persönlich gesprochen. Das ist eine Möglichkeit,
die nicht viele kriegen. Es war eine sehr gute Sache, eine sehr schöne
Sache. Wenn ich weiter Kontakte mit Künstlern haben könnte,
ist das natürlich von Vorteil in der Branche.
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