Jetzt fragen sich sicher die meisten (wahrscheinlich eher alle), was denn ein Weissbuch ist. Also: die EU (genauer gesagt die EU-Komission) erstellt immer wieder zu bestimmten Themen sogenannte Weissbücher.
Das sind keine Bücher mit leeren Seiten sondern welche, in denen allgemeine Ziele und Bedürfnisse, die es in einem Bereich gibt (z.B. Landwirtschaft, Verkehr, etc.) ausformuliert werden, damit
sich der Europarat bzw. die ausführenden Beamten in den einzelnen Ländern dann auf den Weg zu diesen Zielen machen können. Anhand dieser Weissbücher werden dann konkrete Projekte ausgearbeitet und finanzielle Mittel bereitgestellt oder neue Regelungen und Gesetze überlegt.
Aber das Weissbuch Jugend ist etwas ganz besonderes: es wurde/wird nicht (nur) von EU-Beamten geschrieben, die eben den Auftrag haben, sich mit diesem oder jenem Thema auseinanderzusetzen, sondern von den Jugendlichen der einzelnen Länder selbst.
Zuerst gab es in jedem EU-Land eine nationale Konferenz, bei der Jugendliche sich getroffen haben, um sich Gedanken darüber zu machen, was wir uns von der EU erwarten, was geändert und verbessert gehört und wo es die gravierendsten Probleme gibt. In Österreich fand diese Konferenz in Salzburg statt und durch eine Blitzaktion (am Freitag vormittag wusste ich noch nicht einmal, daß da etwas in Salzburg los ist und zu Mittag saß ich schon im Zug) Es nahmen auch Elke, Gökhan, Michael und ich daran teil.
Und einige der Teilnehmer dieser Konferenz wurden eben jetzt nach Paris eingeladen, um dort so etwas ähnliches noch mal zu veranstalten, nur das jetzt eben die Workshops zu den verschiedenen Themen (Partizipation, Arbeit, Bildung, Wohlbefinden, europäische Werte und Mobilität) nicht aus 6 Leuten aus den verschiedenen Bundesländern bestanden, sondern aus 60 Leuten aus den verschiedenen Ländern Europas. Insgesamt waren über 600 Jugendliche an dieser Konferenz beteiligt.
Am ersten Abend gab es sogar einen Empfang mit Lionel Jospin, dem Premierminister von Frankreich (und mit einem tooollllenn Buffet!), dann wurde eben zwei Tage in den Workshops mehr oder weniger gearbeitet, diskutiert, Forderungen formuliert, Ergebnisse zusammengefasst und ausgearbeitet und das Resultat wurde dann vor einigen wichtigen Politikern aus diesem Bereich (französische Jugendministerin Marie-George Buffet, schwedischer Jugendminister, etc.) vorgestellt.
Über die Effektivität dieses Treffens lässt sich streiten: 60 Leute in einem Workshop sind einfach zu viel, um wirklich etwas weiterzubringen oder auch nur einen gewissen Tiefgang in den Diskussionen zu erreichen. Dafür haben wir viele nette Leute kennengelernt (schöne Grüße an die Luxembourger Delegation!) und Spaß gehabt. Nur die 14-stündige Bahnfahrt war etwas ermüdend (versuch mal sechs Leute gleichzeitig zum Schlafen zu bekommen!).