Echo: Zu Allererst heißen wir Euch Willkommen. Schön, dass ihr auch mal in Wien seid!
Wie lange macht Ihr schon Musik?

Taner: 1962/63 begann unser Musikleben, wobei die Gruppe erst 68 als ein Projekt zusammenkam. Engin, Cahit und der Bassist Hasan Sel arbeiteten gemeinsam in der Gruppe Selcuk Alagöz, Murat Ses und Aziz Azmet bei Silüetler. Eines Tages beschlossen diese Leute eine neue Formation zu gründen. Es wurden Schafsfelle angezogen, Schwerter und Schutzschilder mit auf die Bühne genommen, englische Kompositionen wurden gespielt und Mogollar wurde zur Sensation in Istanbul.
Echo: Schon damals arbeitete Mogollar auf alternativer Basis?!
Taner: Neben Rockbands wie den Rolling Stones den Beatles den Animals usw. übte auch Mogollar Ähnliches aus, mit dem Unterschied, anatolische Instrumente wie, Baglama (Saz), Kasik, etc. in unsere Musik einzubringen.
1968/69 gingen wir auf eine grosse Anatolien-Tour. Da wir aus Istanbul kamen und von der Beat Musik, Beatles udgl. hörten, schafften wir eine Brücke zu der Jugend in Anatolien. Überall wo wir hinkamen, trafen wir verschiedenste Menschen und gründeten Fanclubs.
Mit dem Ziel, auch im europäischen Raum gehört zu werden, gingen wir 1970 nach Frankreich, brachten eine Single namens, Beyong the Dark, raus, wonach wir von einer anderen Firma ein Albumangebot bekamen. Diese ethnographisch-jazzige Produktion erhielt 71, den Akademie Charles Cros Grand Prix Du Disque-Preis, dass vorher Pink Floyd, Jimmy Hendrix usw. bekamen. Auf der Suche nach einem neuen Solisten, trafen wir letztendlich Baris Manco, mit dem wir anfingen zu arbeiten. Nach einer Tour in Anatolien, gingen die Wege auch mit Baris auseinander.
Danach zogen wir wieder einmal nach Frankreich, wo wir das zweite Album rausbrachten. Engin blieb in Frankreich und wir gingen später in die Türkei. Der 1. Teil von Mogollar endete 1976.
Echo: Warum kam der Break zwischen 1976-93?
Taner: Gut, inzwischen hatte jeder von uns geforscht, beispielsweise zog Engin mit Jazzbands durch Italien, Frankreich, Deutschland und kam 91 zurück.
Cahit machte Filmmusik, ich arbeitete bis 80 mit Cem Karaca-Dervishan, brachte ein Album raus. Da herrschte eine extreme Politisierung und der Bürgerkrieg vor dem 12. September, wo wir als Künstler auch unseren Platz neben links einnahmen. Auf einem Konzert in Urfa wurden wir von einer nationalistischen Gruppe angegriffen. Zwei Tage danach wurde der Organisator der Veranstaltung ermordet. Nach dieser Tour hörte ich auf zu musizieren und ging nach Frankfurt. Im Jahr 93 ein Comebackkonzert, danach aktives Musizieren. Alben wie dört renk (Vier Farben), 30. Yil (30. jahr) und zuletzt 1968 - 2000, haben wir auf den Markt gebracht. Manches original, manches neu eingespielt.
Wir geben Konzerte an den Unis,....
Anstatt der alten Linkseinstellung sind wir jetzt mehr zeitgeistlich, multinational eingestellt. Im Moment setze ich mich für Organisation for Global Justice ein, weil es immer noch 700 Millionen arbeitende Kinder und 30 Millionen verhungernde Menschen gibt. Wer redet da von fair trade??

Echo: Mit eurer Musik und Kunst seid ihr zu Idolen und Kultfiguren geworden. Was ist eure Message an die Jugendlichen in Europa?
Taner: Ich verbrachte 10 Jahre in Europa, das ich gut kenne. Die Jugendlichen hier haben in Bezug auf Kultur grosse Nachteile. Was aus der Türkei hierher importiert wird, ist die Ibrahim Tatlises-Televole Kultur. Nicht dem, was ihnen imponiert, sondern der Kultur mit tieferen Werten sollen sie sich widmen. Die traditionelle türkische Musik findet langsam ihren angemessenen Platz, Rockbands, Acid-jazz-Bands, Trip-Hop, Avantgarde und die alternative Culture ist im Vormarsch. Wichtig ist die dynamische, zukunftsorientierte Kultur. Als es mit dem Rock´n Roll, Woodstockfestivals und den 68´er Studentenbewegungen losging, stürzte die europäische Jugend die Mauer gegen eine Unterdrückung, was die türkische Jugend hier noch nicht verwirklicht hat.
Echo: Was sind eure nächsten Ziele?
Taner: Unser Ziel ab jetzt ist es, Songs zu schreiben mit Themen, die sonst noch nicht angespropchen wurden. Mit Texten, die vom heutigen Leben erzählen. Songs, die auf traditionelle Rythmen und Instrumente wie Saz zurückgreifen, verbunden mit der Härte der Rockmusik.
Wir dürfen uns also freuen auf eine starke Band die auch weiterhin zu sozialen Lagen und Problemen Stellung nehmen wird und eine authentische Art der Rockmusik verfolgen wird.
Özden Öksüz
Hasan Öksüz
Cagdas C.
Turgay
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