hauptthema

es stand geschrieben 

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Wenn Parteiprogramme ihren Niederschlag auf Beton finden ...

          

“Wie würdest Du Dich als eine dunkelhäutige Person fühlen, wenn Du all diese Sprüche auf den Wänden lesen müßtest? Auf die gleiche Art und Weise wie Du Dich fühlen würdest, fühle ich mich. Es tut so weh, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Doch leider, als eine Minderheit in diesem Land, haben wir einfach ruhig zu sein und sich den Regeln anzupassen.”

Diese Antwort bekam ich von einer Frau, die ursprünglich aus Äthiopien kommt, als ich sie nach ihrer Meinung fragte, wie sie sich doch fühle, wenn all diese Graffity-Aussagen auf den Wänden in einem kleinen Viertel im 11. Bezirk, genannt Macondo, zu lesen wären. Benannt wurde dieses Areal von Latein-Amerikanern, wobei die Mehrheit aus Chile stammte, die dieses Gebiet vor ungefähr 25 Jahren besiedelt haben. Derzeit ist es zu einem starken multikulturellen Zuwachs im Macondo gekommen. Neben den “herkömmlichen” Chilenen leben dort auch Menschen aus Afrika, Russland, Afghanistan und eine kleine Anzahl von Vietnamesen.

“SCHWARZE SIND HÄSSLICH”, “SCHWARZE SIND NICHT GUT FÜR EUROPA”, “NEGER SIND KRIMINELLE” UND “SCHWARZE RAUS” ........solche Sprüche findet man auf den Wänden vom Macondo, im 11. Bezirk.

Ehrlich gesagt, ich fühle mich sehr verletzt als ein Afrikaner, wenn ich all diese Aussagen lese. Ich fühle mich nicht nur verletzt, sondern ich bin trauig und enttäuscht. Manche Afrikaner würden fragen, “warum bist Du so enttäuscht? Hast Du nicht gewußt, dass Österreicher Rassisten sind?” Bestimmt gibt es einzelne Menschen, die rassistisch denken. Ich lebe nun in Österreich seit mehr als 3 Monaten und ich habe viele nette Österreicher kennengelernt. Menschen, die Dir ihre Freundschaft anbieten, ohne Rücksicht auf die Hautfarbe, Nationalität oder Religion, der man angehört. Wer weiß, ob die Personen, die diese verletzenden Aussprüche geschrieben haben, überhaupt Österreicher sind?


Die Menschen sollten sich dessen bewußt werden, dass viele Schwarze, die in Österreich ihren Aufenthalt haben, sehr schwer arbeiten müssen, um überhaupt überleben zu können. Ein Teil der Regierung will keine Ausländer und wenn Du schwarz bist, wird die Situation für den Betroffenen noch schlimmer. Wir Schwarze, wollen diese Verletzungen nicht permanent an unserer eigenen Haut spüren. Wenn Du jemanden nicht ausstehen kannst, dann beziehe Deinen Hass nicht auf eine Hautfarbe (auf eine ganze Rasse), sondern versuche Dich auf die bestimmte Person zu beziehen und schreibe konkret den jeweiligen Namen an die Wand, wie z.B. “Ich hasse John” und “John ist hässlich” oder gar “John raus aus Europa”.

Das schwarze Volk hat eine sehr traurige Vergangenheit. Wir kämpften gegen die Sklaverei an, gegen die Apartheid in Südafrika (wo wir auf unserem eigenen Kontinent diskriminiert wurden, erinnere dich an Nelson Mandela), wir kämpfen noch immer gegen den Ku Klux Klan in Amerika und natürlich auch gegen die rechtseingestellten Parteien in Deutschland. Die schwarze Rasse wird oft als Bürger der 3. Klasse in dieser Welt angesehen. Das bedeutet für mich, dass dem Leben der Schwarzen geringe Wertschätzung zukommt. Diesem Zustand muß man ein Ende setzen, jeder Einzelne verdient es, mit Respekt behandelt zu werden. Bis heute versuchen gewisse weiße Menschen, die sich nach Afrika begeben, Schwarze zu manipulieren und schlecht zu behandeln. In Amerika sind die Afrikaner im täglichen Leben vielen Schwierigkeiten ausgesetzt. Die Schwarzen können nicht mehr, sie sind “erschöpft”. Ein weißer Amerikaner, Europäer oder Australier kann jederzeit nach Afrika gehen und sie würden dort willkommen sein. Ich glaube nicht, dass die Weißen einer Diskriminierungsgefahr unterliegen würden, zumindest sind mir persönliche Ereignisse nicht zu Ohren gekommen. Somit stellt sich die Frage, warum werden die Afrikaner hier in Österreich so behandelt, wieso werden wir als “häßlich” und “Kriminelle” bezeichnet? Vielleicht gibt es ein paar von unseren “afrikanischen Brüdern”, die mit dem österreichischen Gestz in Konflikt geraten sind, aber da heißt noch lange nicht, dass alle Afrikaner Kriminelle sind und Europa, genauer gesagt Österreich, verlassen sollen. Es gibt auch mehrere positiv denkende Afrikaner in Östereich und Europa, die es anstreben “gute Bürger” innerhalb dieser Gesellschaft zu werden. Manche sind sehr gebildet und können sicherlich auch einen “produktiven” Teil zu dieser Gesellschaft beitragen.


Eigentlich dachte ich, dass die Polizei in Österreich veranlassen würde, diese rassistischen, verletzenden Aussprüche zu entfernen, aber das ist nicht passiert. Ich hoffe wirklich, dass die Polizei in Österreich nicht rassistisch ist. “Sie sollten etwas dagegen unternehmen, bevor es zu spät ist. Es startet meist mit Beschimpfungen und endet in Gewalt. Wir können den Versuch starten zur Polizei zu gehen, aber es wird sich wahrscheinlich nicht viel ändern. In Folge werden wir eine friedliche Demonstration ins Leben rufen und werden sehen, ob diese eine Bewusstseinsänderung bewirken wird”, meinte ein Mann aus Nigeria. Ich persönlich empfinde genauso. Schwarze sollten vorsichtig sein, wohin sie gehen. Es ist interessant, dass auch die Latinos von Macondo sich durch diese Beschimpfungen verletzt fühlen. Es erscheint ihnen nicht mehr “sicher” dort. Eine Frau aus Chile erzählte uns, dass sie bereit sind, diese Sprüche zu entfernen. Doch sie ist jedoch sicher, dass noch mehr rassistische Bemerkungen folgen werden. Falls Vorfälle dieser Art wieder eintreten sollten, stellt sich die Frage, was man als Minderheit in diesem Lande dagegen unternehmen kann. Ich glaube, wir brauchen öffentliche Unterstützung von der Presse, Fernsehen, Radio, die von den diskriminierenden Vorfällen in Macondo und anderen Bezirken berichten. Wenn dies “Gottes Wille” ist, dann wird die Polizei und die Regierung den Kern und dessen Wichtigkeit der Problematik begreifen.


Es geht nicht darum, mit Gewalt auf Gewalt zu reagieren oder ähnliche, verletzende diskriminierende Sprüche auf die Wände zu schreiben. Vielmehr handelt es sich um einen Prozeß, der auf gegenseitigen Respekt beruhen soll. Es geht viel mehr darum, zu lernen, Menschen zu akzeptieren, ohne jegliche Vorurteile aufgrund der Hautfarbe oder eines bestimmten kulturellen Verhaltens beeinflußt zu werden. Hinter diesem Eindruck der “Andersartigkeit” findet man einen Menschen, der doch nicht so verschieden ist. Afrikaner, Asiaten, Amerikaner, Australier oder Europäer, wir alle sollten versuchen zu lernen miteinander zu leben und uns gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren. Dieser Hass unter den verschiedenen Kulturen muß gestoppt werden. Ich persönlich würde mir wünschen mehr in Liebe als in Hass miteinander zu leben. Versucht den Kern des Menschen kennenzulernen, urteile nicht nur nach der “äußeren Fassade”, da jeder Mensch einzigartig ist. Ich hoffe wirklich, dass, wer auch immer diese verletzenden, rassistischen Graffities im 11. Bezirk geschrieben hat, diesen Artikel liest und darüber zweimal nachdenkt, bevor es wieder geschrieben wird.

Jude Sentongo Kafeero (17)


“Ein menschliches Wesen ist nicht einzigartig, weil dieses reich, wunderschön, schwarz oder weiß ist. Ein Mensch ist einzigartig, weil dieser von Gott erschaffen wurde.” (“Fear not of a man” - Mos Def)



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