Die A 23 führt aus Wien raus, Richtung Süden. Viele Autos zweigen bei der Ausfahrt Vösendorf-SCS ab. Dort wartet das Einkaufsparadies mit grosszügigen Parkmöglichkeiten auf die Fahrzeuge und ihre konsumierenden Insassen. Dorthin wo wir unterwegs sind, verschlägt es vermutlich nur die wenigsten, obwohl nur einige Kilometer zwischen der Konsuminsel und Traiskirchen liegen.
Mitten im Ortszentrum von Traiskirchen steht die evangelische Kirche. Die Menschen, die aus dem Gemeindesaal der Kirchengemeinde kommen, sind aber keine Kirchgänger oder Messebesucher. Sie besuchen die Beratungsstelle des evangelischen Flüchtlingsdienstes, der eben in diesem Gemeindesaal seine Beratungsdienste anbietet. Als wir den Saal betreten, warten etwa 15 Personen darauf, ihre Situationen schildern zu können und um mögliche Unterstützungen anzufragen. Vor dem Saal sitzen Familien und Einzelpersonen, die ihrer Beratung entgegensehen. Wir haben einen Termin mit Frau Ammann, die dort als Beraterin arbeitet und sich trotz der Menge an Problemen für uns und unser Interview Zeit nimmt. Es ist unschwer zu erraten, dass die BeraterInnen dort nur wenig Aufmerksamkeit haben für jeden einzelnen, denn die Flut an Anfragen ist, wie gesagt gross. Vor allem Personen, die aus der Bundesbetreuung, sprich: Asyllager Traiskirchen, ausgeschlossen wurden, suchen die Hilfe des Flüchtlingsdienstes auf. Nur wenige Asylwerber haben die Chance, in die Bundesbetreuung zu kommen, denn die Kriterien hierfür sind geradezu schikanös und vermutlich auch willkürlich. Denn, wenn jemand keinerlei Dokumente aus seinem Heimatland hat (es zählen Lichtbildausweise, die den Flüchtlingen oftmals schon in ihrem Heimatland abgenommen werden oder abhanden kommen), hat keine Möglichkeit in Bundesbetreuung zu kommen. Das heisst, er oder sie oder eine ganze Familie, ist dann darauf angewiesen die Unterstützung von privaten Vereinigungen oder NGOs zu suchen. Ebenfalls ausgeschlossen aus der Betreuung des Bundes sind Menschen, die aus Ländern kommen, die keine Mitglieder im Europarat sind. Die Obdachlosigkeit der Personen, die nicht in Bundesbetreuung sind, ist nur eine Problematik, mit der die Menschen an die BeraterInnen herantreten. Daran knüpfen sich selbstverständlich auch sämtliche rechtliche Fragen und selbstverständlich auch die sozialen Probleme, die ab dem Zeitpunkt, wo Menschen ihr Land verlassen, und logischerweise schon vor der Entscheidung an diesem Schritt auftreten. Spätestens aber, wenn das Warten auf den Entscheid über den Asylantrag eingesetzt hat, sehen sich die Menschen einer Menge an komplexen und oft schier unlösbaren Problemen gegenüber.

Frau Ammann erzählt uns, dass sie in ihrer Arbeit am meisten mit dem Problem des Verlustesder sozialen Rolle und deren Folgeerscheinungen (psychische Erkrankungen, Passivität, Lethargie) konfrontiert ist. Nicht zu vergessen ist hierbei auch, dass Asylwerber vollkomen ausgeschlossen sind vom Zugang zum legalen Arbeitsmarkt.
Es gibt nur wenige Möglichkeiten, dieser Lücke im Leben Herr/Frau zu werden. Leider wird in der österreichischen Öffentlichkeit das Bild vom Asylwerber, der nur zum Zweck des Drogenhandels, sprich der eigenen Bereicherung, nach Österreich gekomen ist und sich als Sozialschmarotzer darstellt, vermittelt.
Es muß gesagt werden, dass der Handel mit illegalen Drogen, als auch die illegale Erwerbsarbeit einen Ausweg aus der finanziell prekären Situation der Asylbewerber darstellt. Denn wie bereits in anderen Beiträgen der Zeitschrift erwähnt wurde, ist die Betreuung der Asylbewerber, sprich die Erfüllung der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse (Wohnen, Essen, Schlafen, soziale Kontakte) in den wenigsten Fällen gewährleistet. Der Bund und damit der Staat übernimmt nur einen minimalen Anteil. In Bundesbetreuung ist nur etwa ein Drittel der Antragsteller. Den Löwenanteil der Versorgung übernehmen NGO`s und private Vereine, sowie die Asylbewerber selbst.
Auf die Frage, was sie aufgrund ihrer Erfahrungen als Beraterin für ihre AdressatInnen fordern würde, sagt uns Frau Ammann, dass zu allererst die Existenzsicherung von öffentlicher Hand gewährleistet werden müsste. Das heisst, dass man natürlich Druck machen müsste auf die Regierung, da die Existenzsicherung der Asylwerber in einem reichen Land wie Österreich kein Problem wäre. Unerlässlich sind ihrer Meinung nach auch Integrationsmassnahmen wie Deutschkurse, Öffnung des Arbeitsmarktes und Schulbildung auch für nicht mehr schulpflichtige jugendliche Flüchtlinge. Betont hat sie aber auch die Forderung nach der Einbeziehung nichtstaatlicher Beratungsstellen und Organisationen bei den Interviews, die während des Asylverfahrens stattfinden.
Mittlerweile stehen wir schon über eine Stunde vor dem Gemeindesaal der Kirche. Neben uns wartet eine Familie auf Frau Ammann. Die Kinder spielen und scheinen unbeschwert. Wir bedanken uns bei Frau Amman für ihre Informationen und ihre Bereitschaft, trotz Zeitknappheit sich für ein Interview zur Verfügung zu stellen.
Elke Büchel
Dagmar Trimmel
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