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kulturunterschiede

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  Kongo- Österreich

          

Meine Kultur ist vielleicht nicht so streng wie manche andere. Aber was mich sehr daran stört, sind die Regeln für die Frauen, wie sie sich zu benehmen haben.
Dass die Mädchen immer bei der Mutter sein müssen und den Haushalt machen.
Damit sie kochen, waschen, putzen und so weiter lernen. Und wenn die Mutter
nicht zu Hause oder krank ist, müssen sich die Mädchen um den Haushalt
kümmern. Damit, dass einmal der große Bruder oder der kleine Bruder zur Hilfe
kommt, kann ein Mädchen nicht rechnen. Während die Buben nach der Schule spielen gehen, müssen die Mädchen arbeiten, egal wieviele Hausübungen sie zu machen haben. Kochen und die Wäsche mit der Hand waschen, müssen die Mädchen.
“Irgendwann einmal wirst du heiraten, da wirst du es können müssen. Also lerne es jetzt gleich.” Heißt es dann. In dieser Hinsicht gefällt mir besser, wie manche Leute in Österreich es machen: Männer und Frauen machen beide die Hausarbeit, gemeinsam oder abwechselnd. Auch Buben lernen hier kochen. 
Als meine Mutter sechs Jahre alt war, kam sie in die Schule. Sie ging allerdings nur solange, solange ihre Eltern genug Geld hatten, die Schule zu bezahlen, weil das Gesetz lautete: Ohne Geld keine Schule! Zu mir sagte meine Mutter: “Du musst dich freuen, dass du in Europa
aufwächst. Da mußt du nichts für die Schule bezahlen. Und du musst nicht mit einem weißen T-Shirt und einem schwarzen Rock in die Schule gehen, du kannst anziehen, was du willst.“ Dabei lachte sie. Dann meinte sie, “Es war aber auch eine gute Sache, dass wir eine Uniform tragen mussten. So konnte man nicht sehen, wer sich besser anziehen kann und wer vielleicht nicht soviel Geld für schöne Kleidung hat, weil alle das Gleiche anhatten. Aber unsere Lehrer waren streng. Sie schlugen die Kinder, wenn sie zu spät kamen, keine Aufgaben gemacht hatten oder wenn sie sich weigerten, zu tun, was der Lehrer oder die Lehrerin wollte.” 
Meine Mutter fragte mich, ob in meine Klasse auch Buben gehen. “Ja” sagte
ich. In die Klasse meiner Mutter gingen auch Buben und Mädchen. Nur Schulen
für die reichen Leute sind reine Buben- oder Mädchenschulen in der Republik Kongo. In der Schule meiner Mutter wurden nicht Ausflüge gemacht wie hier. Es gab auch kein Turnen und überhaupt keinen Stundenplan. Man ist in der Früh aufgestanden und hat gar nicht gewußt was man am Tag lernen wird. “Und mußtest du auch nach der Schule soviel im Haushalt arbeiten?” fragte ich meine Mutter. “Ja” sagte sie. “Ich hatte immer eine Woche von acht Uhr bis 13 Uhr Schule. Das war ganz schlecht. Da kam ich nach Hause und mußte arbeiten, arbeiten, arbeiten. Da wollte ich manchmal morgens gar nicht aufstehen, weil ich gar keine Freude hatte an solchen Tagen. Die nächste Woche hatte ich dann von 13 Uhr bis 17 Uhr Schule. Das war manchmal schön, weil meine Mutter schon zu Hause war und schon alle Arbeit gemacht hatte. “ Da sagte ich zu meiner Mutter: “Dann weißt du ja, wie es mir geht, wenn ich müde von der Schule heim komme und du mich gleich einkaufen oder Geschirrwaschen schickst!”

Das einzige, was ich an meiner Mutter nicht mag, ist, dass sie sich nicht traut mit mir von Frau zu Frau zu reden. Es stört sie, dass wir in der Schule über Sex lernen und sie mag es nicht, wenn in Filmen geknutscht wird. Ich kann es ein bißchen verstehen. Mit ihren Eltern hat sie nicht über Sex reden dürfen, also konnte sie auch mit mir nicht darüber reden. Nicht einmal, was ein Mädchen tun muß, wenn sie ihre Periode bekommt, hat sie mir gesagt. Vielleicht wäre das ja ganz anders, wenn meine Mutter bei meiner Großmutter aufgewachsen wäre. Aber als sie acht Jahre war, kam sie zu ihrer Tante. Die Tante hat nicht für die Schule meiner Mutter bezahlt, also ging meine Mutter nicht mehr in die Schule, sondern arbeitete nur noch den ganzen Tag. So hat meine Mutter nicht einmal richtig gut lesen und schreiben gelernt, sie kann nicht mit dem Taschenrechner rechnen und leider glaubt sie, dass sie zu alt ist, das noch zu lernen. Deshalb fällt es ihr auch sehr schwer, Deutsch zu lernen.
Seit längerer Zeit lebe ich jetzt bei meiner Pflegemutter. Da muss ich nach
der Schule nicht arbeiten, außer ich selber will es. Mit ihr kann ich auch
über Männer, Sex und Politik reden. Ich bin froh, dass ich die Chance habe,
aus meinem Leben etwas besseres zu machen, als meine Mutter aus ihrem Leben.

Simu Mayimona (15)