Politik

Von Leben zu Leben

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Als Flüchtling bin ich vor 17 Monaten nach Österreich gekommen. 

          

In dieser Zeit habe ich viele Österreicher kennengelernt. Leute, die mir mit Wörtern aber auch materiell geholfen haben. Zur Zeit lebe ich in einem Caritas Heim. Das Leben für mich ist hier schwierig, weil ich nicht arbeiten darf. Auch weiterhin habe ich Freunde aus aller Welt und ich hoffe, dass es in der Zukunft besser wird für uns alle....
Gleich nachdem ich nach Österreich gekommen bin wurde ich nach Traiskirchen gebracht. Nach drei Tagen kam ich dann nach Au bei Turman, ein kleines Dorf in der Steiermark. Rund um das Dorf war nur Wald zu sehen und mehr nicht. In diesem Heim waren nur Albaner untergebracht. Nach jeder Mahlzeit gingen wir schlafen, weil wir nichts zu tun hatten. Nachts konnte ich bis in die frühen Stunden nicht einschlafen, ich musste andauernd an meine Familie denken. Ich war in Verbindung mit meinem älteren Bruder, der in Deutschland lebt. Alle sorgten sich um ihre Familien. Ein Freund von mir, Magjun Gashi, hat mit mir sehr oft geredet und somit hat er mir auch geholfen. Mein Freund war jedoch die Zigarette, die ich rauchte, wenn ich mich allein fühlte.
Die Tage vergingen und so brach der Kontakt mit meinem Bruder in Deutschland ab, der Kampf war sehr intensiv und ich sorgte mich noch mehr. Eines Tages brachte mir ein Mann aus Kosovo eine Tageszeitung, in der berichtet wurde, dass zwei meiner Freunde tot aufgefunden wurden. Einer von denen war ein ganz besonderer Freund von mir, ich konnte nicht glauben oder besser gesagt, ich wollte nicht glauben, dass so etwas passiert ist. Ich brauchte lange, bis ich mich wieder fangen konnte, denn ich stand unter Schock, das alles war zuviel für mich! Ich dachte an die Zeit, die wir zusammen verbracht hatten.
Eines Morgens, als ich aufgestanden bin, habe ich in eine Glühbirne zerschlagen, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Meine Freunde, die in dem Heim mit mir waren, haben sich große Sorgen um mich gemacht, weil ich das gemacht habe. Sie wollten mir helfen, doch ich wies ihre Hilfe zurück, ich brauchte die Hilfe anderer nicht, ich dachte an meinen Freund wie er auch im Blut gelegen ist.... Die ganze Nacht verbrachte ich mit meiner Wunde an der Hand, ich wollte nur Blut fließen sehen. Erst in der Früh brachte mich ein Mann von der Caritas ins Krankenhaus, weil die Wunde zu groß war.

 

 

 

 

Ich wollte vergessen was passiert war, ich wollte ein neues Leben, ein anderes Leben anfangen und nicht mehr das Gefühl haben alleine zu sein. Nach einer Woche wollten sie mich nach Hause schicken aber ich wollte nicht wieder ins Heim zurück. Da mir aber keine andere Wahl blieb, musste ich doch noch ins Heim zurück, weil ich kein anderes Zuhause hatte. Ich versuchte es mit dem Leben, das ich im Krankenhaus angefangen hatte und wartete auf die finanzielle Hilfe. Wir bekamen 1060 Schilling für zwei Monate. Ich nahm das Geld und verschwand aus dem verfluchten Dorf wieder nach Traiskirchen. In Traiskirchen schlief ich illegal in einem Flüchtlingslager. 
Im Morgengrauen musste ich verschwinden, weil es eine Polizeikontrolle gab. Somit suchte ich auf der Straße nach einem Job. Es gab keine Probleme, weil die Polizei wusste, dass ich ein albanischer Flüchtling aus Kosovo bin. Wenn es keine Arbeit gab, ging ich spazieren, dann schaute ich mir die Leute genau an, weil ich hier ein neues Leben anfangen musste. Tagsüber schaute ich mir die Stadt an, weil ich nicht ins Lager zurück gehen konnte. Ich konnte nicht zurück, weil ich keinen Ausweis hatte. 
Die Tage vergingen und ich machte mich wieder einmal auf die Suche nach einer Arbeit. Ein gutherziger Mann gab mir Arbeit im Garten. Er kümmerte sich um mich, gab mir zu essen und sagte mir, ich solle nicht so schnell arbeiten. Der Mann fragte mich nach meiner Situation. Da es schmerzliche Erinnerungen waren, konnte ich nicht darüber reden. Er und seine Familie verhielten sich verständnisvoll gegenüber meiner Vergangenheit. Eines Tages, weil ich es nicht mehr ertragen konnte, fing ich bei der Arbeit an zu weinen. Ich bereute alles, weil mein Herz voller Trauer war. Ich habe nicht gedacht, dass sich andere Leute um mich Sorgen machen würden doch das tat diese Familie. Sie fragten mich, warum ich weine und so fing ich an zu erzählen. Ich sagte ihnen, dass ich nicht weiß, wo meine Familie ist, ob es ihnen gut geht, ob sie überhaupt noch am Leben sind und dass ich zwei Freunde verloren habe. Ich war nicht stark genug um jedes Detail zu erzählen, doch sie haben mich aufgemuntert und gesagt, ich solle stark bleiben, alles wird wieder in Ordnung kommen. Nach drei Tagen musste ich anfangen zu lügen, ich belog diese nette Familie, weil ich nicht wollte, dass sie sich Sorgen um mich machen und sagte, dass ich schon was von meiner Familie gehört hätte. Ich musste mich ändern, ich dachte an ein neues Leben und die Familie freute sich das von mir zu hören. Sie wussten nicht, dass ich nicht wollte, dass sie sich so große Sorgen um mich machen. Ich dachte andauernd an die Familie, bei der es mir so gut ging. Ich konnte aber nicht mehr hin, weil ich jedes Mal, wenn ich die Familie sah, an meine eigene Familie denken musste. Ich begann zu trinken, weil mein Leben war sowieso sinnlos. Manchmal wollte ich meinem Leben schnell ein Ende machen. Ich wollte mich vor einen Zug werfen, damit er mir das Leben nimmt.
Ich glaube, dass ich keine Zukunft habe. Vielleicht bin ich falsch auf die Welt gekommen und diese Gedanken kommen von mir nicht los.
Ich weiß nicht was mit mir passieren wird, so verwirrt und allein auf dieser großen Welt, so einsam und fremd....

 

Attila Bodi