Seit dem 7. Dezember 1999, also kurz vor dem Beginn des neuen Milleniums, gibt es einen Preis für Zivilcourage. Der Ute Bock Preis. Ute Bock ist nicht etwa eine historische Persönlichkeit, die in einem der vergangenen Jahrhunderte lebte. Ute Bock ist eine Frau aus dem 10. Wiener Gemeindebezirk. Sie ist Leiterin des Gesellenheims in der Zohmanngasse, in dem Asylsuchende aus afrikanischen Ländern Zuflucht fanden. Bis zum 29. September 1999. An diesem Tag sollte sich im Leben der Asylsuchenden und im Leben der Ute Bock vieles, oder sogar alles verändern. Eine Razzia im Rahmen der Operation Spring stürmte das Gesellenheim und verhaftete einige Jugendliche, die in diesem Haus Unterkunft gefunden hatten. Man vermutete, dabei auf Beweise für Aktivitäten des Drogenhandels- und -konsums zu stossen. Türen wurden eingetreten, und in Privatsphären eingedrungen. Die Jugendlichen sind seither in Haft, bis auf einen, der entlassen wurde und laut Angaben in einer Kirche Unterschlupf gefunden hat.
Wie das Leben der anderen jugendlichen Asylsuchenden weiter verläuft ist nicht klar. Droht ihnen ein Abschub in die Heimat oder können sie hier bleiben? Und wenn sie hier bleiben können, welche Perspektiven haben sie? Der menschliche Preis, den alle von ihnen bezahlen müssen ist unvorstellbar hoch. Wir leben im 3. Jahrtausend und müssen uns unweigerlich mit der Frage beschäftigen, wie wir uns zu der erwartbaren verstärkten Migration von Flüchtlingen stellen. Die Tatsache, dass Asylsuchende oft jahrelang auf ihre Asylbewilligung warten und während dieser Wartezeit von Perspektivenlosigkeit, Angst, Unsicherheit, Selbstmordgedanken und sozialer Randständigkeit geplagt sind, muss für uns Grund genug sein, um zu handeln.
Gehandelt hat auch Ute Bock während ihrer Tätigkeit als Heimleiterin in der Zohmanngasse. Sie hat die jungen Asylsuchenden motiviert Deutsch zu lernen, eine Lehre zu machen und hier in Österreich eine Lebensgrundlage aufzubauen. Für dieses humane Engagement erntete sie den Argwohn einiger Anrainer, der letztendlich dazu beigetragen hat, dass diese Razzia stattfand und Frau Bock mit einem Disziplinarverfahren konfrontiert ist. Außerdem wird ihr nahegelegt doch endlich in Pension zu gehen und die Aufgabe als Heimleiterin aufzugeben. Ein hoher Preis dafür, sich menschlich zu verhalten.
Der Verein SOS-Mitmensch verleiht Ute Bock den gleichnamigen Preis für Zivilcourage, um sozial und human wünschenswertes Verhalten in der Bevölkerung hervorzuheben. Ute Bock soll also als Beispiel dastehen für positive Handlungen und sozusagen eine positive message geben. Wir wollen dieses positive Verhalten mit unser Kritik nicht schmälern, denken aber dennoch, dass die Razzia und die Missgunst seitens der Bevölkerung gegenüber jungen Asylsuchenden ein klares Negativbeispiel ist, das bei dieser Preisverleihung zu sehr in den Hintergrund trat.
Unserer Meinung nach muss, wenn so ein Preis verliehen wird immer auch die Vor- und vor allem die Nachgeschichte einbezogen oder in das Gesamtbild integriert werden. Warum passiert das aber nicht? Vermutlich sollte die Ute-Bock-Preisverleihung unter einem positiven Licht stehen. Die Erwähnung des Schicksals der betroffenen Asylsuchenden, hätte dieser Positvfokussierung sicherlich Abbruch getan. Denn letztendlich steht die Problematik des Asylwesens dann im Vordergrund und niemand der anwesenden Vereine oder Parteivertreter hätte sich ad hoc dazu äußern können, ohne die eigene Hilf- und Ideenlosigkeit zu dieser Thematik preiszugeben.
Ute Bock, der dieser Preis gewidmet ist, setzt sich nieder auf ihre Lorbeeren und lässt das Schicksal der Asylsuchenden Schicksal sein, über welches sie sich keinerlei Gedanken mehr macht. Sie ist, und das zeichnet sie doppelt aus für den Preis den sie erhielt, fast die einzige, die sich Gedanken darüber macht, wie es mit den Jugendlichen wohl weitergeht. Ute Bock wünscht sich, dass die Jugendlichen nach ihrem Gefängnisaufenthalt einen Platz zum Wohnen finden. Denn laut ihren Angaben dürfen sie nicht mehr zurück in den 10. Bezirk. Skandalös ist, dass sich niemand darum zu kümmern scheint, was passiert und wie eine kluge Lösung für die Situation der inhaftierten und hoffentlich bald entlassenen jungen Asylsuchenden gefunden werden kann. Ihr Vorschlag, der, so wünschen wir uns, von politischer Seite Unterstützung finden sollte, ist die Einrichtung einer wohlwollenden und menschlich angemessenen Wohnmöglichkeit nicht nur für diese hier erwähnten Jugendlichen.