hauptthema

Wenn man keine Probleme hat sollte man sich

nicht welche suchen, sondern glücklich sein.

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Es ist Sonntag mittag, alle Echoten liegen wahrscheinlich noch in ihren Betten, ich aber bin unterwegs zu einem Termin. Ich treffe einen geheimnisvollen Mann. Treue Echoleser kennen seine Zeichnungen seit 6 Jahren, doch (fast) keiner hat ihn jemals gesehen. Ich spreche von Levent Tarhan, dem Zeichner der echomics.
Levent, Vater zweier Töchter, seit 17
Jahren in Österreich, spielt als Percussionist in verschiedenen Bands, und ist nebenbei (!) Grafiker in einer Werbeargentur. Im Gespräch erzählte er , was er so denkt





...übers Zeichnen
Cartoons zeichne ich im Moment nur für Echo.
Ich habe in der Türkei gezeichnet, in Comicszeitungen, das habe ich in Wien auch gemacht, aber mehr Illustrationen, für Wiener, City,.. Mit 15 Jahren habe ich angefangen Karikaturen zu zeichnen, als Hobby, das hat sich so entwickelt wie eine Krankheit. In Wien habe ich angefangen Grafik zu studieren, ich habe es aber nicht fertig gemacht, weil früher hat es keinen Computer gegeben und ich wollte nicht picken und schneiden, da wollte ich lieber zeichnen, mit dem Computer macht es mir jetzt mehr Spaß.

...über Echo
Ich finde Echo sehr wichtig, weil ich kenne sonst keine andere Zeitschrift oder Organisation, die irgendwie die Stimme von dieser Generation ist, ich finde Echo eigentlich ganz gut, aber das Traurige ist, dass ich die Zeitschrift nirgends sehe, ich habe sie im Postkasten, aber sonst sehe ich sie nie, und ich fürchte, es lesen nur Leute, die sowieso genau so denken. Es müssen andere lesen, die davon eigentlich gar nichts wissen. Sie kennen viele Probleme nicht, die die Jugend hat, die Ausländer, das kennen sie einfach nicht.

...über Probleme der Jugendlichen und deren Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit
Ich glaube nicht, dass sich die Probleme geändert haben, das kann ich mir nicht vorstellen, ich glaube es ist sogar noch schwieriger geworden. Anfang der 90er Jahre war eine Multikulturalitätswelle, da haben die Leute versucht mehr Verständnis zu haben, jetzt ist das einfach aus, niemand kümmert sich darum, es ist altmodisch geworden. Dadurch kann ich mir vorstellen, dass die Probleme wirklich schlimmer geworden sind, oder zumindest gleich schlimm sind, und wenig gesellschaftliches Interesse besteht.

...über gesellschaftliche Entwicklungen
Das politische Klima in Österreich wird immer schlechter. Jeder Mensch hat in sich so primitive Gefühle, jeder von uns, einer mehr, einer weniger, und Haider spricht genau diese Gefühle an. Wir erlauben uns sehr viele Dinge nicht, wir dürfen nicht auf der Straße schlecht reden über andere Leute, aber wenn uns Politiker das einmal erlauben würden, dann würden wir über andere Leute schimpfen, sie vernichten, man gibt mir das Recht. Ich glaube jeder Mensch ist fähig dazu. Und das ist leider die Mehrheit jeder Bevölkerung, jeder. Es geht den Österreichern eigentlich gut. Sie haben einen Wohlstand, den nicht alle Völker haben. Anstatt dass sie glücklich und dankbar sind, suchen sie sich die Probleme. Das finde ich lächerlich, wenn man keine Probleme hat, sollte man sich nicht welche suchen, sondern glücklich sein.
Die 90er Jahre sind allgemein eine apolitische Zeit, und die Jugend ist natürlich betroffen, die Probleme sind nicht leichter geworden, sondern schwieriger, dadurch dass die Jugend sich für ihre eigenen Probleme nicht interessiert, wird es noch schwieriger. Dadurch hat Echo glaube ich, zwei Aufgaben, zwei Zielgruppen. Erstens diese Jugendlichen, die sich mit ihren eigenen Problemen nicht beschäftigen, und ganz andere Leute, Pensionisten, ganz durchschnittliche Bürger, die niemals daran denken, nie daran gedacht haben, sie sollen was mitkriegen.

...über die 2. Generation:
Man kennt sie nicht, sie sind ziemlich geschlossen meine ich, die ausländischen Jugendlichen. Sie sollten ein bißchen mehr aus ihrem Käfig rauskommen. Dadurch, dass sie so geschlossen sind, weiß der durchschnittliche Bürger nichts von ihnen. Sie sind Bürger dieses Landes, aber Österreich, Europa sogar, war nie ein multikultureller Kontinent, es ist nicht gelungen, wie in Amerika oder so, die Leute mischen sich nicht. Sie sollen versuchen sich mit anderen zu mischen, nicht nur in sich zu bleiben, das finde ich nicht gut.
Diese Ghettoisierung ist mir nicht sympatisch. Vor allem in Österreich, sehe ich, dass es so ist. Man sollte lernen gemeinsam zu leben, man soll nicht alles von den Österreichern erwarten, dass sie Verständnis haben,.. dafür sollen die ausländischen Jugendlichen auch etwas machen.

Wenn sie sich nicht bemühen, werden die österreichischen Bürger auch nichts wissen von ihnen.
Ich denke, man sollte sich einfach gegenseitig entwickeln, eine Entwicklung für die Österreicher, aber auch für die ausländischen Jugendlichen. Ich sehe das als Vorteil, und das wünsche ich mir auch in der Türkei. Die Türkei ist sowieso ein gemischtes Land, Volk, aber den Leuten ist das nicht bewusst, obwohl es eigentlich multikulturell ist, aber ist eine versteckte Mutlikulturalität, die rassistischen Gefühle sind dort auch viel stärker geworden, seit den 80er Jahren. Was ich nicht gut finde. Ja, ich würde mir so etwas auch für die Türkei wünschen, mein Land. Das sich die Leute mischen. Das wäre gut, nicht Nationalität.
Ich versuche das durch meine Zeichnungen. Vielleicht ist es aufgefallen. Ich versuche nicht irgendwie nur Ausländer zu verteidigen, ich mache sie auch lächerlich. Ich kann mir vorstellen, dass das manche Leute stört. Aber wir sind auch nicht immer nur Engel.


Das Gespräch mit Levent führte Irmi