|

Geld und Konsum
Muzi: Ich glaube schon, dass meine Eltern hier bleiben werden. Die Großeltern waren hier, die sind hergekommen, haben gearbeitet, dann sind sie wieder zurückgefahren, aber ich glaube nicht, dass sie vorhaben wieder zurück in die Türkei zu fahren. Ich bin in der Türkei aufgewachsen, mein Vater hat kein Geld geschickt, dann bin ich hergekommen, dann ist mein Bruder geboren worden. Ab da war nur noch er wichtig, meine Eltern haben mir Taschengeld gegeben, so 30 ATS die Woche. Er kriegt pro Tag 100 ATS. Er ist anders als ich, das sagt man immer, aber als ich klein war, habe ich nichts gehabt.
Smokey: Die Kinder jetzt, die Jugendlichen auch, die haben viel mehr, als es früher Möglichkeiten gegeben hat. Einer hat es in der Klasse, und der andere kriegts auch, das war früher glaub ich nicht so. Überhaupt diese ganzen Trends, das hat es zwar in irgendeiner Weise schon immer gegeben, aber ist jetzt sicher extremer, ich merk´ das auch an meinem kleinen Bruder, der auch immer alles hat.

Julia: Ich glaub fast, dass das die Jugendlichen frustriert, das es so viel gibt.
Funda: Wenn ich so red´, dann denk ich mir...zu unserer Zeit da hat es das nicht gegeben, war das nicht möglich, wir haben das nicht gehabt. Ich komme nicht dazu, dass ich viel fernseh´, aber die paar Mal die ich am Nachmittag schau, ist mir aufgefallen, selbst in den Kindersendungen wird auch schon Werbung gemacht. Was der anhat, oder wie cool der spricht, was der für ein Handy hat, das wirkt sich natürlich aus. Ich hab´ damals Am Dam Des angeschaut. Da war eine Schere und ein Blatt Papier, und da haben wir gebastelt, da ist es darum gegangen, dass man irgendetwas macht.

Julia: Ich finde heute hast du keine andere Wahl mehr, die Jugend von heute wird sehr auf Statussymbole gedrängt, weil sie ein Markt ist für diverse Leute, die sehen das, dass da ein Markt ist. Das ist eigentlich ziemlich schlimm, weil die Kinder vermittelt kriegen das muss ich haben, so muss ich ausschauen. Da kommt es natürlich zu Konflikten mit den Eltern, zu Konflikten mit sich selber, weil man sich nicht mit sich selber beschäftigt, sondern mit dem, was andere haben. Da fangt man selber an nicht zu wissen, was man ist, sondern die anderen zu sehen, und zu denken, die schaffen das und selber macht man aber nichts dagegen.

Aykut: Man kann ja auch sagen, dass die Wirtschaft umgedacht hat, die Wirtschaft spricht das Volk an, dass jeder den Standard hat. Es wird billiger, die Vielfalt ist enorm, dass die Leute sich das leisten können, die Wirtschaft bietet mehr an, dadurch gibt es mehr Konsum...
Thomas: Der Aykut sagt etwas ganz Wichtiges, nämlich es ist wirtschaftlich erklärbar, dass Ende der 80er Jahre die gesamte Wirtschaft bemerkt hat, dass sie nicht mehr allen das Selbe verkaufen sollen, sondern dass sie jedem sein eigenens Ding verkaufen, und damit viel mehr Geld machen.
Julia: Es ist alles schon einmal dagewesen, dass ist das Problem, die Leute sind übersättigt, weil es zu viel gibt, und sie können sich nichts Neues mehr denken, weil das, was da ist, das muss erst mal alles erkundet werden, und dann kannst du erst etwas Neues finden. Da es aber so viel gibt, kommen sie nicht bis zum Ende, sie sind dann einfach froh mit dem, was da ist, das deckt sie total ab.
Thomas: Interessant ist, früher hat man versucht genau mit dem Gegenteil aufzufallen, nicht mit dem, was alle anderen gehabt haben. In den 80er Jahren war jeder anders angezogen. Es hat Gruppen gegeben, die waren total stark, und man hat sich teilweise gar nicht treffen können irgendwo, weil man Angst haben musste, dass die andere Gruppe auch dort ist, da es ständig Schlägerein gegeben hat, überall.
Es hat ur viele Gruppierungen gegeben in Wien, und die waren alle so sichtbar, so stark, von Skinheads angefangen, über Mods, Rocker, Italos, Russels, Popper, alles mögliche, alle immens stark, und jeder hat versucht, sich vom anderen zu unterscheiden.

Mario: Es gibt ja jetzt, diese breiten Hosen zum Runterziehen. Manche ziehen sich normale Jeans runter, ich frage mich, was will der damit sagen? Er möchte gleich sein, aber er kann das nicht, und vielleicht zwei Wochen später hat er die Hose, die er wollte, aber er fängt schon mit der Jean an, was jeder hat.
Andrea: He, ich finde das aber OK, ich geb´ nicht einen 1000er aus für eine Hose, die mir nicht passt, sondern ich nehm einfach die von meinem größeren Bruder... dadurch entferne ich mich vom Markt.
Gruppen
Arda: Die größeren Gruppen vom Reumannplatz, Landstraße, Prater haben sich aufgelöst, oder wurden vertrieben. Es hat so eine Romantik auf der Straße gegeben, einen Zusammenhalt. Wir waren wie eine riesen Familie, manchmal hat man den Namen nichteinmal gekannt, aber man hat zusammengehalten. Die Gruppen gibt es schon noch, aber die Gesellschaft ist anders. Die Geschwister haben von den Fehlern gelernt. Manche haben sitzen müssen und gelernt, die Eltern gehen anders mit den Kindern um, sie sind nicht so fixiert darauf, dass die Kinder Lehre machen.
Gibt es eine neue 2. Generation?
Bildung, Möglichkeiten und
Individualisierung

Arda: Es hat sich wirklich so entwickelt, dass man diverse Möglichkeiten entdeckt hat, in Österreich, die man gehen kann, das wichtigste Wort in den letzten Jahren, ein Schlagwort war Weiterbildung, Bildung überhaupt. Viele Jugendliche haben erkannt, dass sie doch aus ihrem Leben etwas machen wollen, hier. Die einen haben geheiratet, haben ein Kind, sind vielleicht gar nicht einmal so glücklich, haben einen stinknormalen Beruf. Die jüngere Generation sieht das, da ist eine gewisse Unzufriedenheit, man will nicht dasselbe durchmachen, was die anderen durchgemacht haben, man will aus sich was machen.
Thomas: Du siehst da schon Individualisierung, nicht aus der Gruppe, sondern für sich persönlich?
Arda: Für sich persönlich!
Andrea: Ich glaub, dass die Gruppen deshalb kleiner werden, weil der Computer so stark geworden ist. Früher ist man einfach rausgegangen, in den Park, weil es zuhause zu eng war, sich in einer kleinen Wohnung zu beschäftigen. Dadurch hast du dich getroffen. Jetzt kannst du spielen, kannst Internet surfen, kannnst durch den Bildschirm deine Wohnung extrem vergrößern, kannst auch 2, 3 Freunde einladen, mit denen du gemeinsam Computer spielst, mehr passen halt in die Wohnung nicht rein.
Mario: Damals gab es auf der Ottakringerstraße nur ein Cafehaus, wo alle hingegangen sind, jetzt hast du auf der Ottakringerstraße lauter Cafehäuser. Auch das Nachtwerk für die serbokroatischen, kroatischen und die Jugoslawen, da fängt es an. Von 10 wollen 3 da hingehen, dort hingehen, 3 wollen noch woanders hingehen, da teilt es sich, da fängt es schon an. Der will nicht bei uns dabei sein, d´rum geht er mit wem anderen weg.
Andrea: Es gibt mehr Angebote, und wenn ich sag´ das ist nicht das Einzige, und ich will da nicht hingehen, und ich geh da nicht hin, gehen wir wo anders hin, dann ist das ganz anders, als wenn es eine einzige Disco gibt, die mich reinlasst, also gehe ich mit allen anderen da hin.
Muss sich Echo verändern?

Andrea: Wir müssen unterscheiden zwischen 2 Sachen: Echo als Freizeitbeschäftigung, und Echo als Idee. Als Idee macht es noch Sinn, aber ob über die Freizeitbeschäftigung überhaupt noch welche zu Echo kommen? Wenn viel weniger Leute kommen, weil sie hier ihre Freizeit verbringen, dann kommen auch viel weniger drauf, was die Idee ist.
Wozu brauchen wir einen Wuzler? Er ist im Grunde ein Wettbewerbsvorteil, weil wenn die Idee so 100% der Grund ist herzukommen, dann brauchen wir keinen Wuzler, aber wenn ich mir mit dem Wuzler gegenüber einem Cafe das keinen hat, wo´s mich sowieso rausschmeißen wenn ich zu laut bin, einen Vorteil habe, dann komm ich schon ins Echo, wegen dem Wuzler. Möglicherweise interessiert mich dann auch irgendwann die Idee.
Funda: Veränderung ist nicht schlecht. Echo soll sich verändern. Ich habe mir damals gewünscht, dass sich Echo verändert, das ist gottseidank passiert, und es soll sich auch weiter verändern. Es sollen sich auch die Leute verändern. Das spricht jetzt gegen mich, weil ich immer noch da bin. Es gehören neue Leute her. Auf jeden Fall, weil sonst gibt es Echo nicht mehr, das bringt´s nicht, das ist nicht der Sinn der Sache.

Arda: Ich denke man sollte sich neue Ziele setzen, Jugendliche begleiten, ihnen neue Möglichkeiten geben, aufzeigen, man kann nicht alle sehen. Ich glaube Echo ist auch wichtig für das Selbstbewusstsein eines Jugendlichen, weil wenn man von den Eltern keine Unterstützung bekommt, dass man mit Zeichnen, Musikmachen, Theaterspielen nicht weiterkommt, dann ist Echo da, um das vielleicht auszubauen. Ich glaube man entdeckt sich ganz gut hier selber.
Julia: Echo soll sich nicht zu stark verändern, es wäre schade, wenn Echo sich zu sehr anpassen würde. Echo soll so sein, wie es eben ist, und Jugendliche dazu finden, damit es nicht nur zum Konsum wird.
Andrea: Echo soll sich neu orientieren, durch die neuen Räume, aber nicht einen Markt anbieten, sondern für Ideen faszinieren. Die 2. Generation ist Geschichte, deshalb soll Echo nicht auf der 2. Generation beharren, sondern allgemein auf Jugendliche. Echo soll Jugendliche bei ihren Ideen unterstützen.
Arda: weiterlernen, weiter zuhören und dasein.
Auszug aus dem Protokoll einer Redaktionssitzung. Teilgenommen haben: Andrea, Arda, Aykut, Bernadette, Fahreta, Funda, Irmi, Julia, Mario, Mehmet, Muzaffer, Sibel, Smokey, Serkan und Thomas
|