|

Die neuen Räumlichkeiten von Echo sind ein Spiegel der enormen Verbesserung unserer Ressourcen. Sie sind auch eine Herausforderung. In Echo findet ein Generationswechsel statt, täglich kommen neue Gesichter, schauen sich um, überlegen, ob sie vielleicht mitmachen wollen. Für uns ist das auch ein Moment des Innehaltens, des Erinnerns, an frühere Zeiten, an die Ursprünge von Echo.
Gegründet, in einer Zeit gegeneinander rivalisierender Banden, einer Zeit der ungleich verteilten Chancen, ungleich verteilt zu Ungunsten der Jugendlichen der 2. Generation. (echo, die Zeitschrift, damals noch Zeitschrift von und für ausländische jugendliche, ab Nummer 13 erst zeitschrift der 2. generation, ab morgen zeitschrift der jugend?)
Es ist Zeit, sich einige Fragen zu stellen, um aus den Antworten eine Zwischenbilanz zu ziehen, die uns dabei helfen soll in die richtige Richtung weiterzugehen.
Was ist mit der Dynamik der 2. Generation? Sind die Jugendlichen, die heute so alt sind, wie jene, die am Beginn bei Echo mitgemacht haben, ähnlich dynamisch? Wollen sie etwas bewegen in dieser Gesellschaft? Was sind derzeit die Probleme der 2. Generation, sind es die gleichen, gab es Veränderungen? Wie steht es um die Chancen an der gesellschaftlichen Partizipation?
Was sind Werte, die den Jugendlichen etwas bedeuten? Ist alles nur noch konsumorientiert, oder gibt es sie noch, die Solidarität, das Engagement? Gibt es noch ein Ziel, das heißt wir wollen die Jugend der 2. Generation unterstützen? Wenn ja, in welchen Dingen braucht die 2. Generation heute noch Unterstützung?
Letztendlich ergibt sich für uns auch die Frage, ob Echo in seinem Stil weiterarbeiten kann und soll? Haben sich die Bedürfnisse so verändert, dass sich die Jugendarbeit den neuen Bedingungen anpassen muss, oder muss gerade in so einer Zeit Echo seinen Zielen treu bleiben?
Viele Fragen, auf die wir uns bemüht haben in der Recherche zu dieser Ausgabe auch Antworten zu finden. Einige Porträts von alten Echoten skizzieren Abschnitte individueller (von Echo geprägter?) Lebensabschnitte, Umfragen auf der Straße bemühen sich um einen repräsentativen Querschnitt der Meinungen. ExpertInnen, Studien in Bezug gesetzt zur aktuellen Stimmung im Echo und jugendarbeiterische Überlegungen werfen wieder neue Fragen auf, (ver-)suchen Antwort und bieten so ganz nebenbei geballte Information für Interessierte.
Erste Umfrage irgendwo in einem Park, im 15. Bezirk. Ein Gespräch mit Sesa und einem Freund über Freundschaft, Freizeit und Veränderungen
echo: Was fallen Euch für Punkte ein inwieweit sich die Jugend in den letzten Jahren verändert hat ?
Sie haben gar keinen Respekt, die kleinen Kinder, sie schimpfen.
echo: Wen schimpfen sie?
Alles mögliche. Verstehst, zum Beispiel der ist super der Kleine, der hat super Eltern, aber die anderen Kleinen sagen geh scheißen und so, verstehst? Mein ältester Bruder, der war deppert zu seiner Zeit, kann man so sagen, der war der Deppertste. Jetzt ist er super, jetzt hat er Familie. Der andere, mein zweitältester Bruder, der hat jetzt Schule fertig, macht auch noch Matura, der ist nicht so deppert.
echo: Also glaubst du, dass die jetzigen Jugendlichen auch mehr Wert auf Ausbildung legen?
Nein.
echo: Du sagst, früher haben die Leute mehr zusammengehalten, jetzt nicht mehr, warum?
Kann sein, damals sind sie alle von der Türkei gekommen, die was jetzt hier aufgewachsen sind, denken anders, die denken jetzt wie die Österreicher. Bei uns gibt´s so eine Art, wer älter ist, man macht das, was er sagt, und hier, für die, was hier aufwachsen, ist das nicht so. Die gehen einfach nach ihrem eigenen Kopf.
echo: Das heißt früher war einfach der Zusammenhalt größer, weil man sich noch als Türke oder Jugoslawe gefühlt hat, und die, die jetzt da auf die Welt gekommen sind, die fühlen sich schon als Österreicher?
Die, die hier aufgewachsen sind.
echo: Was macht ihr die ganze Zeit?
Sitzen, Quatschen, in der Schule passt
keiner mehr auf, ...
echo: Aber wenn ihr eure ganze Freizeit so verbringt, ist das dann nicht
langweilig?
Nein! Die meisten haben jetzt Computer und solche Sachen, Fernsehen, Video,...
Manchmal geht man auch Schwimmen.
echo: Geht ihr noch viel in den Park?
Wir sind auf der Straße, irgendwo. Früher waren sie in den Parks Fußbal spielen, jetzt sind sie nur noch auf der Straße, in den Parks sieht man nur noch kleine Kinder. Die Kleinen spielen jetzt, für die Jugendlichen ist Fußballspielen jetzt nicht mehr interessant.
Wenn man im Park sitzt, und keinen Ball hat, dann sitzt man nur und redet Blödsinn, über die Vergangenheit.
|