hauptthema

Spaziergang in Erinnerungen

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Kerem in Gedanken an alte Zeiten

Letzens machte ich einen Spaziergang durch die Mariahilferstrasse. Ich wollte eigentlich nur in ein paar Schaufenster reinsehen, doch was mir am meisten ins Auge stach, waren diese unendlichen Reihen von kleinen hölzernen Wahlplakaten, die an Verkehrsschildern, Hydranten und Lichtmasten befestigt waren:
Eines von den Grünen mit der Aufschrift „Verantwortungsbewußte Umweltpolitik“ war an einem jungen dünnen Baum angebracht. Ein anderes war vor einem Second-Hand-Shop eines Inders und des daneben befindlichen Döner-Kebab-Ladens postiert, worauf zwei grinsende Männer mit dem Slogan „Zwei echte Österreicher“ für ihre Partei warben.
Vor der Mariahilferkirche bemerkte ich dann einen Mann, der vergeblich versuchte, eine Ausgabe der Obdachlosenzeitung „Augustin“ zu verkaufen. Es fiel mir ein, dass auch ich noch vor wenigen Jahren, das damals noch junge ECHO verkauft hatte. Wir von ECHO (einige der vielen Freunde, die ich eben dort kennengelernt hatte, und ich) zogen oft los, quatschten Passanten an und erklärten denjenigen, die uns auch tatsächlich zuhörten, wofür wir standen. Wir machten es nicht für Geld, sondern für den Spaß, den wir dabei miteinander hatten. Ab und zu kam es auch dazu, dass wir ein ECHO gegen einen Augustin eintauschten.
Heute wird kaum noch ein ECHO auf der Straße verkauft. Auch die alten Freunde und Mitglieder von damals lassen sich nur noch selten im ECHO blicken. Innerhalb der letzten zwei Jahre vollzog sich ein Generationswechsel, der sehr natürlich erscheint.





An der nächsten Kreuzung traf ich einen Freund, den ich das letzte Mal vor circa einem Jahr im „Cafe Corny“ (ECHO’s Nachbar) gesehen hatte. Wir entschlossen uns, dort einen Kaffee zu trinken, um Erinnerungen aufzufrischen. Vielleicht würden wir auch eine Runde Tischfußball spielen. Rot gegen Blau. Sie wissen schon, die ewige Schlacht um Tore, Punkte und Stimmen. Der schwarze Schiedsrichter hat da meistens nichts zu melden.......
Wir gingen am alten ECHO-Gebäude vorbei und setzten uns in das Cafe. Die Besitzerin des Cafes machte einen unglücklichen Eindruck auf uns. Ich dachte sogar, dass sie möglicherweise kurz vor dem Konkurs steht, seitdem ECHO, wie Sie sicher schon erfahren haben, umgezogen ist.
Wir unterhalten uns über die bevorstehenden Nationalratswahlen, über das manchmal lächerliche politische Hick- Hack der einzelnen Parteien und über die Folgen, die auftreten könnten, falls eine gewisse extrem-rechte Partei tatsächlich die Macht übernehmen sollte. Wir sinnierten auch über die Entscheidung des ECHO-Verstandes, sich nicht in eine politische Richtung kategorisieren zu lassen. Meiner Meinung nach, eine kluge Entscheidung.
Nach Kaffee, Bier und noch einem Kaffee beendeten wir die Sitzung und machten uns auf den Weg zur U-3. Während der Heimfahrt erinnerte ich mich daran, wie oft und wie intensiv wir früher im Musikkeller von ECHO für einige kleinere Auftritte geprobt hatten.
Manchmal schliefen wir sogar da unten. Ich erinnere mich..........

Kerem Yücel