Jugendkultur allgemein, aber auch die 2. Generation, hat sich in den letzten Jahren sehr stark geändert. Als JugendarbeiterInnen ist es unsere Aufgabe, neue Ansätze für diese Entwicklung aufzubauen.
Mitte der 90er Jahre, als wir die Zielgruppe für unsere Integrationsarbeit definiert haben, gingen wir von Jugendgruppierungen aus, die sich in Parks, Einkaufszentren oder Straßen aufhielten, die sich gruppenweise bewegten, potentiell Gewalt- und Drogen- gefährdet waren und hauptsächlich türkischer oder jugoslawischer Abstammung waren. Wir haben auch gesagt, dass das die Jugendgruppierungen sind, die sich in die österreichische Gesellschaft freiwillig und bewusst integrieren sollen.
Dunkelblaue Bomberjacken, Levis 501 Hosen, Baseballkapperl und Panama Jack Schuhe waren Symbole der hauptsächlich türkisch dominierten Jugendgruppen. Gemeinsam gegen rassistisch motivierte Skinheads oder Hooligans, die sie auch in Wien oft als reale Feindbilder gesehen haben, vorzugehen, war der politische Beweggrund. Sie haben geglaubt, so die Möglichkeit zu haben, selber gesehen zu werden.
Heute sehen wir sehr unterschiedliche Bilder bei der 2. Generation und ihrem Alltag. Eine der wichtigsten Entwicklungen ist die steigende Partizipation und individuelle Teilnahme an der Gesellschaft. Jugendliche halten sich nicht mehr so oft gruppenweise an öffentlichen Plätzen auf, sondern versuchen eher ihre Lebensqualität eigenständig zu verbessern und an der österreichischen Gesellschaft gleichberechtigt teilzunehmen. Sie wollen eigenständig etwas leisten können, was die konsumorientierte Gesellschaft von ihnen ja auch erwartet. Statt gemeinsam auf der Straße sich stark und solidarisch, aber auch orientierungslos zu bewegen, wollen sie heute einen mehr individuell, ökonomisch geleisteten, anerkannten Status haben. Sie sind realistischer und individueller geworden.

Eine andere Entwicklung ist, dass sich die 2. Generation in einer neuen, aber demonstrativen Position bewegt. Sie wollen und werden nicht mehr zurückkehren in die Länder, aus denen ihre Eltern gekommen sind. Die 2. Generation sieht Österreich als ihre neue Heimat. Das ist für uns und für sie deutlicher geworden. Seit Jahren haben die Jugendlichen immer wieder Zukunftsvisionen der Eltern wahrgenommen, als sie von ihnen gehört haben Vielleicht werden wir zurückkehren. Heute sehen sie die Heimat pragmatischer als zuvor. Egal, wo sie herkommen, und wer sie sind, sie wollen in diesem Land ihre Zukunft aufbauen. Aus diesem Pragmatismus heraus versuchen sie auch sehr dynamisch am Arbeitsmarkt und in der sozialen Landschaft ihre eigenständigen Plätze abzusichern. Sie wollen sich zu ihrer ursprünglichen Heimat bekennen, aber diese ihn Zukunft lieber nur als Urlaubsort annehmen. Um die Staatsbürgerschaft ansuchen, im österreichischen Bundesheer ihre Aufgaben erfüllen, stabile Berufe erlernen, sich eine eigene Wohnung leisten können und sich auch im freien Wirtschaftsbereich herausfordern, diese Bereiche beschäftigen die 2. Generation immer mehr.
Die 2. Generation hat sich auch sehr internationalisiert und in den gesellschaftlichen Hierarchien unterschiedlich positioniert. Es geht nicht mehr nur um türkische oder jugoslawische Jugendliche, sondern es bewegen sich Jugendliche von ungefähr 15 bis 20 unterschiedlichen Herkunftsländern in Wien. Sie gehören auch unterschiedlichen Schichten und Jugendkulturen an. Die Betroffenheit als benachteiligte Minderheit ist sehr multinational geworden. Um so unterschiedlicher die Herkunft, umso stärker wird der kulturelle Austausch und die internationale Solidarität.
Im Freizeit-, Sozial- und Integrationsbereich hat sich sehr vieles positiv verändert. Einerseits profitieren die Jugendlichen von kommerziellen Angeboten immer mehr, aber andererseits auch von sozialarbeiterischen Ansätzen. Viele neue Jugendeinrichtungen forcieren hauptsächlich die 2. Generation. Aus gesellschaftspolitischer Sicht sind ihre Konzepte nicht so zieltreffend, wie wir uns wünschen würden, aber trotzdem genießt die 2. Generation mehr und mehr diese Angebote.
Aber trotz all dieser positiven Strömungen, gibt es auch paradoxe Entwicklungen, die sich parallel fortbilden oder als Gegensätze verstärken. Eine der wichtigsten, und überhaupt in der letzten Zeit sehr schmerzhaft empfundenen Entwicklungen ist, dass Rassismus salon- und fast regierungsfähig geworden ist. Populismus, der unbedingt die Schwächen der gesellschaftlichen Struktur als Feindbilder zeigt, hat immer mehr Chancen und bringt immer mehr Angst.
Es ist traurig aber sichtbar, dass wir in eine neue, sehr schwierige, aber auch geschichtlich wichtige Zeit eingetreten sind, die ihre Probleme mit sich bringt. Als JugendarbeiterInnen von Echo, haben wir das Gefühl, der jetzt besonders stark gewordene, rechte Populismus verhindert überhaupt positive Entwicklungen. Sie wollen unbedingt die Fremden und die 2. Generation als Feindbilder zur Zielscheibe machen. Wenn die sich anpassen, wenn sie sich anständig benehmen, wenn sie unsere Gesetze akzeptieren, und, und,.. - endlose Forderungen, die nur als Ausreden dienen, weil die zweite Generation wird trotz aller integrativen Entwicklungen als etwas Fremdes, als Negatives dargestellt. Integration soll kein Zukunftsmodell mehr sein, sondern Polarisierungsthema.
Das ist ein enromer Druck für viele Jugendlichen, die sich mit der Angst vor der Zukunft vom Alltag und vom alltäglichen sozialen Umfeld entfernen.

Überfremdungstheorien, die den ÖsterreicherInnen übermittelt werden, entfremden auch die Neoösterreicher de facto von dieser Gesellschaft und beeinflussen sie Richtung Desintegration. Die Angst, die sehr emotional und subjektiv instrumentalisiert wird, will reale Entwicklungen zunichte machen, wo dann Integration der 2. Generation nicht mehr freiwillig und bewusst sein kann. Es werden Ängste, Zorn, Minderwertigkeitskomplexe der Gesellschaft gegenüber, und gegenseitiges Misstrauen produziert. Statt einer Handlungsgesellschaft, wird eine emotional agierende Reaktionsgesellschaft als neues Lösungskonzept angeboten. Viele Menschen in diesem Land haben vor Globalisierung der Weltwirtschaft, und auch vor dem sozialen und kulturellen Zusammenwachsen und der daraus resultiernden Multikulturalität Angst. Sie wollen heute weniger an diesem Entwicklungsprozess teilnehmen.
Unsere Aufgabe ist es, uns sehr ernst mit unseren Zielen und Projekten auseinanderzusetzen, neue Ansätze zu entwickeln, um als Betroffene diesen Überfremdungstheorien entgegenwirken zu können.
Einerseits müssen wir der zweiten Generation mehr gesetzliche und soziale Absicherungen schaffen und im Alltag einen Integrationsprozess mit den sogenannten Einheimischen-Bereichen verstärken. Andereseits muss man auch die ansprechen, die von populitischer Politik beeinflusst sind.
Jugendarbeit muss mehr und mehr an die österreichische Gesellschaft und ihre Jugend herantreten, Aufmerksamkeit geben und gegen den Frust oder die Unzufriedenheit, die von Angst geprägt ist, kämpfen. Eine verstärkte antirassistische, gesellschaftspolitische Jugend- und Integrationsarbeit ist heute notwendiger als je zuvor. Es nützen uns keine Angebote oder Versprechungen von besserer Lebensqualität, wenn die österreichische Gesellschaft sich immer mehr von uns entfremdet. Es nützt uns keine integrative, kulturelle Animation, wenn wir noch immer Zukunftsängste vor dem politischen Klima haben müssen. Es nützt uns auch nicht, wenn im Alltag Rassismus steigt, aber Integration nur um eine marginalisierte Gruppe Intellektueller kreist.
Jugendarbeit, soziale und kulturelle Projekte müssen mit politischem Inhalt und mit Zukunftsperspektiven an die österreichische Jugend übermitteln, dass sie keine Angst vor der zweiten Generation haben soll, sondern dass wir alle eigentlich die gleichen Seile halten. Seile, die uns gemeinsam in die Zukunft bringen.
Das ist notwendiger als jeh zuvor.
Bülent ÖztopluJugendkultur allgemein, aber auch die 2. Generation, hat sich in den letzten Jahren sehr stark geändert. Als JugendarbeiterInnen ist es unsere Aufgabe, neue Ansätze für diese Entwicklung aufzubauen.
Mitte der 90er Jahre, als wir die Zielgruppe für unsere Integrationsarbeit definiert haben, gingen wir von Jugendgruppierungen aus, die sich in Parks, Einkaufszentren oder Straßen aufhielten, die sich gruppenweise bewegten, potentiell Gewalt- und Drogen- gefährdet waren und hauptsächlich türkischer oder jugoslawischer Abstammung waren. Wir haben auch gesagt, dass das die Jugendgruppierungen sind, die sich in die österreichische Gesellschaft freiwillig und bewusst integrieren sollen.
Dunkelblaue Bomberjacken, Levis 501 Hosen, Baseballkapperl und Panama Jack Schuhe waren Symbole der hauptsächlich türkisch dominierten Jugendgruppen. Gemeinsam gegen rassistisch motivierte Skinheads oder Hooligans, die sie auch in Wien oft als reale Feindbilder gesehen haben, vorzugehen, war der politische Beweggrund. Sie haben geglaubt, so die Möglichkeit zu haben, selber gesehen zu werden.
Heute sehen wir sehr unterschiedliche Bilder bei der 2. Generation und ihrem Alltag. Eine der wichtigsten Entwicklungen ist die steigende Partizipation und individuelle Teilnahme an der Gesellschaft. Jugendliche halten sich nicht mehr so oft gruppenweise an öffentlichen Plätzen auf, sondern versuchen eher ihre Lebensqualität eigenständig zu verbessern und an der österreichischen Gesellschaft gleichberechtigt teilzunehmen. Sie wollen eigenständig etwas leisten können, was die konsumorientierte Gesellschaft von ihnen ja auch erwartet. Statt gemeinsam auf der Straße sich stark und solidarisch, aber auch orientierungslos zu bewegen, wollen sie heute einen mehr individuell, ökonomisch geleisteten, anerkannten Status haben. Sie sind realistischer und individueller geworden.
Eine andere Entwicklung ist, dass sich die 2. Generation in einer neuen, aber demonstrativen Position bewegt. Sie wollen und werden nicht mehr zurückkehren in die Länder, aus denen ihre Eltern gekommen sind. Die 2. Generation sieht Österreich als ihre neue Heimat. Das ist für uns und für sie deutlicher geworden. Seit Jahren haben die Jugendlichen immer wieder Zukunftsvisionen der Eltern wahrgenommen, als sie von ihnen gehört haben Vielleicht werden wir zurückkehren. Heute sehen sie die Heimat pragmatischer als zuvor. Egal, wo sie herkommen, und wer sie sind, sie wollen in diesem Land ihre Zukunft aufbauen. Aus diesem Pragmatismus heraus versuchen sie auch sehr dynamisch am Arbeitsmarkt und in der sozialen Landschaft ihre eigenständigen Plätze abzusichern. Sie wollen sich zu ihrer ursprünglichen Heimat bekennen, aber diese ihn Zukunft lieber nur als Urlaubsort annehmen. Um die Staatsbürgerschaft ansuchen, im österreichischen Bundesheer ihre Aufgaben erfüllen, stabile Berufe erlernen, sich eine eigene Wohnung leisten können und sich auch im freien Wirtschaftsbereich herausfordern, diese Bereiche beschäftigen die 2. Generation immer mehr.
Die 2. Generation hat sich auch sehr internationalisiert und in den gesellschaftlichen Hierarchien unterschiedlich positioniert. Es geht nicht mehr nur um türkische oder jugoslawische Jugendliche, sondern es bewegen sich Jugendliche von ungefähr 15 bis 20 unterschiedlichen Herkunftsländern in Wien. Sie gehören auch unterschiedlichen Schichten und Jugendkulturen an. Die Betroffenheit als benachteiligte Minderheit ist sehr multinational geworden. Um so unterschiedlicher die Herkunft, umso stärker wird der kulturelle Austausch und die internationale Solidarität.
Im Freizeit-, Sozial- und Integrationsbereich hat sich sehr vieles positiv verändert. Einerseits profitieren die Jugendlichen von kommerziellen Angeboten immer mehr, aber andererseits auch von sozialarbeiterischen Ansätzen. Viele neue Jugendeinrichtungen forcieren hauptsächlich die 2. Generation. Aus gesellschaftspolitischer Sicht sind ihre Konzepte nicht so zieltreffend, wie wir uns wünschen würden, aber trotzdem genießt die 2. Generation mehr und mehr diese Angebote.
Aber trotz all dieser positiven Strömungen, gibt es auch paradoxe Entwicklungen, die sich parallel fortbilden oder als Gegensätze verstärken. Eine der wichtigsten, und überhaupt in der letzten Zeit sehr schmerzhaft empfundenen Entwicklungen ist, dass Rassismus salon- und fast regierungsfähig geworden ist. Populismus, der unbedingt die Schwächen der gesellschaftlichen Struktur als Feindbilder zeigt, hat immer mehr Chancen und bringt immer mehr Angst.
Es ist traurig aber sichtbar, dass wir in eine neue, sehr schwierige, aber auch geschichtlich wichtige Zeit eingetreten sind, die ihre Probleme mit sich bringt. Als JugendarbeiterInnen von Echo, haben wir das Gefühl, der jetzt besonders stark gewordene, rechte Populismus verhindert überhaupt positive Entwicklungen. Sie wollen unbedingt die Fremden und die 2. Generation als Feindbilder zur Zielscheibe machen. Wenn die sich anpassen, wenn sie sich anständig benehmen, wenn sie unsere Gesetze akzeptieren, und, und,.. - endlose Forderungen, die nur als Ausreden dienen, weil die zweite Generation wird trotz aller integrativen Entwicklungen als etwas Fremdes, als Negatives dargestellt. Integration soll kein Zukunftsmodell mehr sein, sondern Polarisierungsthema.
Das ist ein enromer Druck für viele Jugendlichen, die sich mit der Angst vor der Zukunft vom Alltag und vom alltäglichen sozialen Umfeld entfernen.
Überfremdungstheorien, die den ÖsterreicherInnen übermittelt werden, entfremden auch die Neoösterreicher de facto von dieser Gesellschaft und beeinflussen sie Richtung Desintegration. Die Angst, die sehr emotional und subjektiv instrumentalisiert wird, will reale Entwicklungen zunichte machen, wo dann Integration der 2. Generation nicht mehr freiwillig und bewusst sein kann. Es werden Ängste, Zorn, Minderwertigkeitskomplexe der Gesellschaft gegenüber, und gegenseitiges Misstrauen produziert. Statt einer Handlungsgesellschaft, wird eine emotional agierende Reaktionsgesellschaft als neues Lösungskonzept angeboten. Viele Menschen in diesem Land haben vor Globalisierung der Weltwirtschaft, und auch vor dem sozialen und kulturellen Zusammenwachsen und der daraus resultiernden Multikulturalität Angst. Sie wollen heute weniger an diesem Entwicklungsprozess teilnehmen.
Unsere Aufgabe ist es, uns sehr ernst mit unseren Zielen und Projekten auseinanderzusetzen, neue Ansätze zu entwickeln, um als Betroffene diesen Überfremdungstheorien entgegenwirken zu können.
Einerseits müssen wir der zweiten Generation mehr gesetzliche und soziale Absicherungen schaffen und im Alltag einen Integrationsprozess mit den sogenannten Einheimischen-Bereichen verstärken. Andereseits muss man auch die ansprechen, die von populitischer Politik beeinflusst sind.
Jugendarbeit muss mehr und mehr an die österreichische Gesellschaft und ihre Jugend herantreten, Aufmerksamkeit geben und gegen den Frust oder die Unzufriedenheit, die von Angst geprägt ist, kämpfen. Eine verstärkte antirassistische, gesellschaftspolitische Jugend- und Integrationsarbeit ist heute notwendiger als je zuvor. Es nützen uns keine Angebote oder Versprechungen von besserer Lebensqualität, wenn die österreichische Gesellschaft sich immer mehr von uns entfremdet. Es nützt uns keine integrative, kulturelle Animation, wenn wir noch immer Zukunftsängste vor dem politischen Klima haben müssen. Es nützt uns auch nicht, wenn im Alltag Rassismus steigt, aber Integration nur um eine marginalisierte Gruppe Intellektueller kreist.
Jugendarbeit, soziale und kulturelle Projekte müssen mit politischem Inhalt und mit Zukunftsperspektiven an die österreichische Jugend übermitteln, dass sie keine Angst vor der zweiten Generation haben soll, sondern dass wir alle eigentlich die gleichen Seile halten. Seile, die uns gemeinsam in die Zukunft bringen.
Das ist notwendiger als jeh zuvor.
Bülent ÖztopluJugendkultur allgemein, aber auch die 2. Generation, hat sich in den letzten Jahren sehr stark geändert. Als JugendarbeiterInnen ist es unsere Aufgabe, neue Ansätze für diese Entwicklung aufzubauen.
Mitte der 90er Jahre, als wir die Zielgruppe für unsere Integrationsarbeit definiert haben, gingen wir von Jugendgruppierungen aus, die sich in Parks, Einkaufszentren oder Straßen aufhielten, die sich gruppenweise bewegten, potentiell Gewalt- und Drogen- gefährdet waren und hauptsächlich türkischer oder jugoslawischer Abstammung waren. Wir haben auch gesagt, dass das die Jugendgruppierungen sind, die sich in die österreichische Gesellschaft freiwillig und bewusst integrieren sollen.
Dunkelblaue Bomberjacken, Levis 501 Hosen, Baseballkapperl und Panama Jack Schuhe waren Symbole der hauptsächlich türkisch dominierten Jugendgruppen. Gemeinsam gegen rassistisch motivierte Skinheads oder Hooligans, die sie auch in Wien oft als reale Feindbilder gesehen haben, vorzugehen, war der politische Beweggrund. Sie haben geglaubt, so die Möglichkeit zu haben, selber gesehen zu werden.
Heute sehen wir sehr unterschiedliche Bilder bei der 2. Generation und ihrem Alltag. Eine der wichtigsten Entwicklungen ist die steigende Partizipation und individuelle Teilnahme an der Gesellschaft. Jugendliche halten sich nicht mehr so oft gruppenweise an öffentlichen Plätzen auf, sondern versuchen eher ihre Lebensqualität eigenständig zu verbessern und an der österreichischen Gesellschaft gleichberechtigt teilzunehmen. Sie wollen eigenständig etwas leisten können, was die konsumorientierte Gesellschaft von ihnen ja auch erwartet. Statt gemeinsam auf der Straße sich stark und solidarisch, aber auch orientierungslos zu bewegen, wollen sie heute einen mehr individuell, ökonomisch geleisteten, anerkannten Status haben. Sie sind realistischer und individueller geworden.
Eine andere Entwicklung ist, dass sich die 2. Generation in einer neuen, aber demonstrativen Position bewegt. Sie wollen und werden nicht mehr zurückkehren in die Länder, aus denen ihre Eltern gekommen sind. Die 2. Generation sieht Österreich als ihre neue Heimat. Das ist für uns und für sie deutlicher geworden. Seit Jahren haben die Jugendlichen immer wieder Zukunftsvisionen der Eltern wahrgenommen, als sie von ihnen gehört haben Vielleicht werden wir zurückkehren. Heute sehen sie die Heimat pragmatischer als zuvor. Egal, wo sie herkommen, und wer sie sind, sie wollen in diesem Land ihre Zukunft aufbauen. Aus diesem Pragmatismus heraus versuchen sie auch sehr dynamisch am Arbeitsmarkt und in der sozialen Landschaft ihre eigenständigen Plätze abzusichern. Sie wollen sich zu ihrer ursprünglichen Heimat bekennen, aber diese ihn Zukunft lieber nur als Urlaubsort annehmen. Um die Staatsbürgerschaft ansuchen, im österreichischen Bundesheer ihre Aufgaben erfüllen, stabile Berufe erlernen, sich eine eigene Wohnung leisten können und sich auch im freien Wirtschaftsbereich herausfordern, diese Bereiche beschäftigen die 2. Generation immer mehr.
Die 2. Generation hat sich auch sehr internationalisiert und in den gesellschaftlichen Hierarchien unterschiedlich positioniert. Es geht nicht mehr nur um türkische oder jugoslawische Jugendliche, sondern es bewegen sich Jugendliche von ungefähr 15 bis 20 unterschiedlichen Herkunftsländern in Wien. Sie gehören auch unterschiedlichen Schichten und Jugendkulturen an. Die Betroffenheit als benachteiligte Minderheit ist sehr multinational geworden. Um so unterschiedlicher die Herkunft, umso stärker wird der kulturelle Austausch und die internationale Solidarität.
Im Freizeit-, Sozial- und Integrationsbereich hat sich sehr vieles positiv verändert. Einerseits profitieren die Jugendlichen von kommerziellen Angeboten immer mehr, aber andererseits auch von sozialarbeiterischen Ansätzen. Viele neue Jugendeinrichtungen forcieren hauptsächlich die 2. Generation. Aus gesellschaftspolitischer Sicht sind ihre Konzepte nicht so zieltreffend, wie wir uns wünschen würden, aber trotzdem genießt die 2. Generation mehr und mehr diese Angebote.
Aber trotz all dieser positiven Strömungen, gibt es auch paradoxe Entwicklungen, die sich parallel fortbilden oder als Gegensätze verstärken. Eine der wichtigsten, und überhaupt in der letzten Zeit sehr schmerzhaft empfundenen Entwicklungen ist, dass Rassismus salon- und fast regierungsfähig geworden ist. Populismus, der unbedingt die Schwächen der gesellschaftlichen Struktur als Feindbilder zeigt, hat immer mehr Chancen und bringt immer mehr Angst.
Es ist traurig aber sichtbar, dass wir in eine neue, sehr schwierige, aber auch geschichtlich wichtige Zeit eingetreten sind, die ihre Probleme mit sich bringt. Als JugendarbeiterInnen von Echo, haben wir das Gefühl, der jetzt besonders stark gewordene, rechte Populismus verhindert überhaupt positive Entwicklungen. Sie wollen unbedingt die Fremden und die 2. Generation als Feindbilder zur Zielscheibe machen. Wenn die sich anpassen, wenn sie sich anständig benehmen, wenn sie unsere Gesetze akzeptieren, und, und,.. - endlose Forderungen, die nur als Ausreden dienen, weil die zweite Generation wird trotz aller integrativen Entwicklungen als etwas Fremdes, als Negatives dargestellt. Integration soll kein Zukunftsmodell mehr sein, sondern Polarisierungsthema.
Das ist ein enromer Druck für viele Jugendlichen, die sich mit der Angst vor der Zukunft vom Alltag und vom alltäglichen sozialen Umfeld entfernen.
Überfremdungstheorien, die den ÖsterreicherInnen übermittelt werden, entfremden auch die Neoösterreicher de facto von dieser Gesellschaft und beeinflussen sie Richtung Desintegration. Die Angst, die sehr emotional und subjektiv instrumentalisiert wird, will reale Entwicklungen zunichte machen, wo dann Integration der 2. Generation nicht mehr freiwillig und bewusst sein kann. Es werden Ängste, Zorn, Minderwertigkeitskomplexe der Gesellschaft gegenüber, und gegenseitiges Misstrauen produziert. Statt einer Handlungsgesellschaft, wird eine emotional agierende Reaktionsgesellschaft als neues Lösungskonzept angeboten. Viele Menschen in diesem Land haben vor Globalisierung der Weltwirtschaft, und auch vor dem sozialen und kulturellen Zusammenwachsen und der daraus resultiernden Multikulturalität Angst. Sie wollen heute weniger an diesem Entwicklungsprozess teilnehmen.
Unsere Aufgabe ist es, uns sehr ernst mit unseren Zielen und Projekten auseinanderzusetzen, neue Ansätze zu entwickeln, um als Betroffene diesen Überfremdungstheorien entgegenwirken zu können.
Einerseits müssen wir der zweiten Generation mehr gesetzliche und soziale Absicherungen schaffen und im Alltag einen Integrationsprozess mit den sogenannten Einheimischen-Bereichen verstärken. Andereseits muss man auch die ansprechen, die von populitischer Politik beeinflusst sind.
Jugendarbeit muss mehr und mehr an die österreichische Gesellschaft und ihre Jugend herantreten, Aufmerksamkeit geben und gegen den Frust oder die Unzufriedenheit, die von Angst geprägt ist, kämpfen. Eine verstärkte antirassistische, gesellschaftspolitische Jugend- und Integrationsarbeit ist heute notwendiger als je zuvor. Es nützen uns keine Angebote oder Versprechungen von besserer Lebensqualität, wenn die österreichische Gesellschaft sich immer mehr von uns entfremdet. Es nützt uns keine integrative, kulturelle Animation, wenn wir noch immer Zukunftsängste vor dem politischen Klima haben müssen. Es nützt uns auch nicht, wenn im Alltag Rassismus steigt, aber Integration nur um eine marginalisierte Gruppe Intellektueller kreist.
Jugendarbeit, soziale und kulturelle Projekte müssen mit politischem Inhalt und mit Zukunftsperspektiven an die österreichische Jugend übermitteln, dass sie keine Angst vor der zweiten Generation haben soll, sondern dass wir alle eigentlich die gleichen Seile halten. Seile, die uns gemeinsam in die Zukunft bringen.
Das ist notwendiger als jeh zuvor.
|