Ich hab im Echo geschrieben, Fotos gemacht, Veranstaltungen organisiert. Gerade in der besten Zeit von Echo bin ich dann weggegangen von hier, weil ich nach Deutschland geheiratet habe. Dann war ich drei Jahre dort, habe meine Tochter bekommen, und mit meinem Mann beschlossen zurückzukommen nach Wien. (Aus dem Hintergrund Scheiße- ich bin beim dritten Kampf.. 10jährige Schwester an der Playstation) Mittlerweile ist einiges passiert. Wir haben uns getrennt, jetzt bin ich hier alleine mit meiner Tochter, und es ist ganz toll.
Was machen die Jugendlichen, die heute so alt sind, wie du, als du täglich im Park warst? Sind die auch noch im Park?
Nein, das glaub´ ich nicht, die Zeiten ändern sich ja. Früher, wo man hingegangen ist, standen Jugendliche. Immer irgendwo, weil wir einfach nicht wussten wohin. Es ist ja in dem Alter auch so: du bist in der Schule, hast keine Arbeit, du hast auch kein Geld, kannst nicht einfach irgendwo reingehen, was trinken oder so, wie jetzt, wenn du arbeitest. Es ist uns einfach nichts anderes übrig geblieben, als uns irgendwo hinzustellen und uns dort die Zeit zu vertrödeln. Es gibt jetzt viel mehr Angebote, von meiner Sicht aus, das ist einfach viel besser geworden.
Was für Angebote gibt es jetzt, die es damals nicht gegeben hat?
Die Leute sind viel freier geworden, die Generation entwickelt sich einfach immer mehr, man kann viel offener reden, auch mit Freunden. Da man auch mit den Eltern viel freier reden kann, mit der anderen Generation, hat man auch viel mehr Chancen, etwas zu erreichen, Unimäßig, Arbeitsmäßig. Überhaupt für die türkischen Mädchen war das immer so ein Problem mit dem Fortgehen. Das ist überhaupt nicht mehr so, das hat sich geändert.

Haben sich Mütter und Väter geändert, weshalb?
Von den Leuten, die ich von früher kenne, sind ja auch viele Eltern zu Echo gekommen. Echo hat durch die Zeitschrift gezeigt, dass das Fortgehen nicht gleich irgendetwas Schlimmes bedeutet. Die Jugendlichen haben was geleistet, haben eine Zeitung herausgebracht, Veranstaltungen gemacht, ... haben nicht einfach die Zeit vertrödelt. Das hat auch den älteren Leuten gezeigt, dass die Kinder nicht irgendwohin gehen, die machen etwas, die haben gezeigt, dass Jugend Aktivität bedeutet, dass jeder irgendetwas kann, dass in jedem irgendetwas steckt. Das haben die Eltern vorher nicht begriffen.
Echo hat sozusagen durch die Zeitung auch Aufklärungsarbeit bei den Eltern geleistet?
Ja, genau, wenn wir was gesagt haben, war das für unsere Eltern oft nicht in Ordnung. Dadurch, dass im Echo mehrere waren, das auch ältere dabei waren, haben sie uns so langsam ernst genommen.
Wie erziehst du jetzt zum Beispiel deine Tochter?
Ich glaube, ich werde meine Tochter sehr frei erziehen. Ich meine damit, ich werde natürlich auch meine Grenzen haben. Ich will sie so erziehen, dass sie über alles auch ganz frei mit mir reden kann. Ich denke mir ganz einfach, mir ist egal was sie tut, Hauptsache sie macht ihre Sache gut. Ich werde sie nicht einschränken, in vielen Sachen, gerade wenn man eingeschränkt ist, wird man noch neugieriger, sie soll selber sehen, sie soll ihren Weg gehen, ich möchte nur wissen, welchen Weg sie geht. Wenn´s ihr gut geht, dann passt das eh.
Gibt es noch soziales Engagement? Braucht die 2. Generation noch extra Unterstützung?
Die brauchen bestimmt noch eigene Unterstützung, es ist ja immer noch so, mit der Ausländerfeindlichkeit.
Obwohl ich glaube, dass es nicht mehr so schlimm #ist, weil viele nicht mehr auf der Straße sind. Die Jugendlichen sind jetzt schon viel mutiger geworden, die sagen einfach ich mach jetzt meine Schule, meinen Beruf, ich mach jetzt was aus meinem Leben. Frührer war das so: wir standenüberall, und wir sind auch jedem ins Auge gestochen, klarerweise. Jetzt sind die nicht mehr auf der Straße, jetzt machen die etwas, man sieht: die Ausländer arbeiten so wie wir .
Im Einzelfall kommt es aber noch vor, dass es bei Bewerbungen heißt bitte keine Ausländer. Wenn mir so etwas passieren würde, ich würde mich dann an Echo wenden, in Echo ist immer ein Ansprechpartner, egal was du hast.
Unterstützung und Arbeit mit der Familie, damit die Eltern noch mehr aufgeklärt werden.
Was sind die Themen, über die die Eltern aufgeklärt werden sollten?
Dass ihre Kinder die österreichische Kultur annehmen werden, ob sie wollen oder nicht. Wenn man hier lebt, passiert das automatisch, dass man diese Kultur auch annimmt, und das die Eltern dann mit den Kindern nicht mehr einfach so umgehen können, wie in der Türkei.

Musst du dich anpassen?
Es gibt bei mir noch viele Sachen, die ich aus der türkischen Kultur habe, wo ich mir denke, das ist einfach viel besser. Die meisten Eltern, auch wenn sie schon 30 Jahre hier leben, die sind in Gedanken immer noch in der Türkei. Die versuchen immer noch die türkische Kultur hier weiterzuführen, und das schadet den Kindern, weil die Kinder können sich dann nicht entscheiden. Man kann´s ihnen zeigen oder so, aber man kann sie nicht dazu zwingen.
Vor 30 Jahren sah es auch in Istanbul ganz anders aus. Sie versuchen innerhalb der Familie die türkische Kultur zu behalten, nur ist das vielleicht in der Familie möglich. Sobald du aber aus der Tür gehst, lebst du wieder in Österreich, du lebst mit Österreichern, was du anfasst, was du tust, das tust du mit Österreichern, das geht dann nach ihren Regeln, nach ihrer Kultur. Draußen hast du immer damit zu kämpfen, manchen gefällt die österreichische Kultur einfach besser, da fühlen sie sich einfach zu Hause nicht mehr wohl. Du kannst dich ja nicht einmal so und einmal so umstellen, weil dann findest du dich ja überhaupt nicht mehr zurecht. Du musst ja irgenwo deinen Charakter entwickeln, da musst du schon einen gesunden Weg gehen, nicht das Leben und einmal dies Leben.
Das schlimme ist, dass die türkische Kultur falsch dargestellt wird, von den Eltern, die schon 30 Jahre hier leben, weil damals sah es ja ganz anders aus.
Es ist z.B. nich so, dass Jungen und Mädchen nicht zusammen etwas machen dürfen. So etwas gibt es gar nicht mehr in der Türkei. Mir ist aufgefallen, dass wie ich hier war, wenn ich zB irgendwohin gegangen bin, mit einer Freundin, da haben uns die Freunde in unserem Alter schief angeschaut, haben uns gefragt was wir hier machen, als türkische Mädchen um diese Uhrzeit auf der Straße, das hat uns unsere Generation gesagt, weil die das immer noch von den Eltern so haben.
Echo zeigt, dass das ganz normal geht mit Jungen und Mädchen. Dass es da überhaupt keinen Unterschied gibt. Die haben gezeigt, dass das auch bei uns Türken so geht, dass da überhaupt nichts dabei ist. Wir Mädchen, wir wussten das sowieso schon.
Mutter: Wenn wir aufpassen heißt das, wir sind zurück, das ist aber nicht das...
Cigdem: Wieso dann nicht bei den Jungs auch, Mama?
Mutter: Auf die muss man genauso aufpassen.
Cigdem: Ja, aber du redest nur von den Mädchen.
Mutter: Du weißt schon, es passiert so oft etwas mit Mädchen.
Cigdem: Was passiert?
Mutter: Die Ältere z.B. geht in die 4. Klasse, und ich kann sie nicht alleine gehen lassen, wir bringen sie jeden Tag in die Schule. Sonst passiert was.
Cigdem: Was passiert dann?
Mutter: Viele Sachen.
Cigdem: Du hörst von Kriminalität.
Mutter: Die Eltern haben deswegen Angst. Unsere Kinder haben noch immer das Gefühl, das sie Ausländer sind, auch wenn sie hier geboren sind. Egal ob sie Klassenbeste ist, sie ist schüchtern.
Haben sie das Gefühl, das hat sich in den letzten Jahren verändert?
Mutter: Ich weiß nicht, wegen meinem Deutsch habe ich damals nicht so viele Freundinnen gehabt, keine Österreicher oder so.
Cigdem: Ich weiß nicht wie das aus österreichischer Sicht ist, aber die Türken trauen sich mehr, die gehen mehr aus sich raus, die sagen ich mache das jetzt. Zum Beispiel, wenn die eine Wohnung haben wollen, und man sagt Wir wollen keine Ausländer, dann warst du früher muks mäuschen still. Jetzt ist das nicht mehr so. Jetzt integrieren sich die Ausländer so richtig, die sagen dann ihre Meinung, oder die tun was gegen solche Leute. Die wehren sich jetzt. Früher gabs das überhaupt nicht. Jetzt sagen sie: Wir leben in Österreich und wir machen da mit, alles, was die Österreicher sich erlauben, das können wir uns auch erlauben. Vielleicht schreckt das die Österreicher mehr ab, das kann schon sein.
Haben die Jugendlichen heute mehr Geld?
Mutter: Die Familien haben jetzt mehr Geld. Wir haben immer viel gearbeitet, aber wir haben gespart, um eine Wohnung zu kaufen, für die Zukunft irgendetwas zu bauen. Viele haben gesehen, dass das zu schwer ist, weil die Kinder hier aufgewachsen sind. Wenn ich alt bin, was will ich dann alleine machen in der Türkei, wenn die Kinder nicht mitkommen? Haben wir also alles das gelassen, jetzt können wir mehr Geld ausgeben.
Cigdem: Das kann man jetzt an meinen Schwestern sehen. Ich und Arda haben niemals so viel bekommen, wie die zwei jetzt bekommen. Die werden hier groß gezogen, leben hier jetzt.
Man hat eingesehen, dass man hier bleiben wird, und so läuft das jetzt hier ziemlich normal.
früher
Fotografin, Reporterin , Schauspielerin,.... bei Echo
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