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Es ist nicht leicht in dieser Stadt als Jugendlicher der 2. Generation zu leben! Die Jugendlichen wollen mitreden. Sie wollen die unmittelbare Lebenssituation, in der sie sich zwangsweise befinden, mitgestalten. Sie wollen ein Recht auf Mitbestimmung. Ständig gelten sie im ganzen Bezirk als Problem, aber sie werden nicht nach ihrer Meinung gefragt. Konkrete Angebote zur Lösung tröpfeln nur spärlich ein, deshalb wollen sie gehört werden!
Dieses Video war ein Mittel dazu. Wirklich wichtig war, daß man anhand dieses Produktes einen Dialog in Gang setzt, der mithilft die Situation in und um den Park zu entspannen, und ein Miteinander zu fördern. Und vielleicht löst man danach ja die Probleme im Gespräch und nicht mehr in dem man nur die Polizei ruft, die selten eine befriedigende Lösung für beide Seiten erreichen kann. Dafür war es aber auch wichtig, alle einmal im Bezirk zusammenzubringen. Sehr geholfen bei diesem Vorhaben haben uns Andrea Hammer, die Jugendbeauftragte des 3. Bezirks, und der Gemeinderat Rudolf Schicker, die uns die SPÖ-Sektion Rabenhof kostenlos zu Verfügung gestellt haben.
Als sich dann am 1. Juli fast 80 Leute in der Sektion einfanden, um sich das Video anzusehen und anschließend ihre Meinung zu den Konflikten zu erläutern, war das ein wunderschöner Moment, der gezeigt hat, wie viele Menschen eigentlich aktiv am Leben im Bezirk teilnehmen wollen. Viele Jugendliche, viele Anrainer, Vetreter von politischen Parteien, Jugendarbeiter, Vertreter von Integrationsvereinen, Menschen unterschiedlichsten Alters und Herkunft, alle zusammen in einem Raum, um gemeinsam an der Lösung der Probleme mitzuarbeiten. Und wie sie teilgenommen haben! Unsere anfänglichen Befürchtungen, daß sich vielleicht niemand traut vor so einer großen Menge seiner Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen, zerstreuten sich in kürzester Zeit. Es wurde heftig diskutiert, teilweise äußerst emotional, was sich aber als sehr konfliktlösend herausstellte, denn nun hatten alle endlich Gelegenheit Dampf abzulassen. Alles was dort gesagt wurde, muß ernst genommen werden, hat Relevanz, denn es positioniert Menschen und bestimmt somit das Umgehen miteinander. Hut ab vor den Jugendlichen, die selbstbewußt ihre Anliegen formulierten und sich auch von dargebrachten, teilweise haarsträubenden Vorurteilen, nicht aus der Ruhe bringen ließen. Sie wissen sehr wohl, daß sich die Probleme, die die älteren Bewohner dieser Stadt allgemein mit Jugendlichen haben, bei ihnen durch die Vorurteile anderen Kulturen gegenüber noch potenzieren. Trotzdem erreichten sie durch ihr stolzes, selbstbewußtes, aber doch sehr höfliches Verhalten, den Anrainern klarzumachen, daß die Gräben durch Kommunikation schmäler werden können.
Der 1. mutige Schritt die Teilung zwischen Anrainern und Jugendlichen aufzulösen, die auch durch die Sitzordnung bemerkbar war, kam auch von einem Jugendlichen, der einfach aufstand und sich auf die andere Seite zu den Anrainern setzte. Danach, und nach abschließenden Worten, war die Stimmung spürbar entspannter und der Ansturm auf die kulinarischen Angebote, die auch von den Jugendlichen exzellent vorbereitet wurden, konnte beginnen. Auch hier mußte die Scheu der Anrainer erst überwunden werden, aber bei diesen Köstlichkeiten gab es kein Widerstehen und so entwickelte sich am Buffet ein zwangloser, interessanter Gedankenaustausch, der in lustigen Fotosessions und gegenseitigen Einladungen zu Geburtstagsfesten endete. Wir sind überzeugt, daß an diesem Abend alle die Chance erhalten haben, einmal sämtliche Anliegen zu formulieren und auch den Standpunkt der anderen Seite zu hören. Man hat sich kennengelernt und damit ist der erste Schritt für einen respektvolleren Umgang miteinander getan.
Es liegt jetzt an allen Beteiligten, diese Möglichkeit zu nutzen, die hingestreckten Hände zu ergreifen und mitzuhelfen, das Leben am Kardinal-Nagl-Platz friedvoller zu gestalten. Diejenigen, die sich aus diesem Prozess ausschließen, stellen sich selbst ins Abseits und werden all die schönen Ereignisse, die so ein Dialog bringt, nicht erleben dürfen.
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